Die Bestie II: Das Grabmal 1

Nach dem Ausflug zur fremdartigen Bibliothek zieht es die Charaktere nunmehr in die Wüste.

Ägypten, Februar 1929

  • Despina von Bodenschwing
  • Martha Greenwood
  • Philip Arthur

Aufbruch zur Ausgrabung

Nach unseren Rechercheergebnissen in der Bibliothek besprechen wir unsere nächsten Schritte. Philip stellt fest, dass er plötzlich wieder Geschmack am Champagner findet, und wirkt auch sonst viel lebhafter. Die Zeichnungen auf dem Schutzamulett, welches er wie wir von der mysteriösen Frau bekommen hatte, scheinen verblasst zu sein.

Major a.D. von Meier oder von L.?

Da er auch seine leutselige Art wiederentdeckt hat, macht er im Hotel die Bekanntschaft des deutschen Majors a.D. von Meier, der seinen Erzählungen nach mit seinen beiden Pygmäen-Bediensteten eine recht skurrile Erscheinung darstellt. Er würde die Beiden Max und Moritz nennen und sie eher wie Tiere denn wie Menschen behandeln. Ich fühle mich stark an Colonel Cotton erinnert.

Despina und ich müssen ein Abendessen mit diesem Barbaren ertragen und mein Eindruck aus den Berichten von Philip bestätigt sich. Ein absolut ignoranter und unangenehmer Zeitgenosse, der seine Diener vermutlich sträflich unterschätzt. Ich beobachte die Beiden und finde sie sehr undurchschaubar, ihr Gesichtsausdruck ist völlig ausdruckslos. Sie erscheinen mir aber eher Wächter zu sein als Diener.

Despina versucht derweil, den Major aus der Reserve zu locken und scheint tatsächlich Erfolg zu haben. Jedenfalls bricht er nach ihren gezielten verbalen Spitzen in Schweiß aus und verabschiedet sich kurz, um sich frisch zu machen. Er lässt dabei ein Taschentuch fallen, welche die Initialen „v. L.“ trägt. Max (oder Moritz) beeilt sich, das Stück sofort verschwinden zu lassen. Unser Misstrauen ist nun vollends geweckt, hat er uns einen falschen Namen genannt? Was ist seine Intention?

Er kehr allerdings schnell zurück und berichtet uns noch, dass er demnächst Richtung Kairo aufbrechen werde, um sich einer Ausgrabung anzuschließen. Ein weiterer merkwürdiger Zufall, denn auch wir planen bereits unsere Expedition.

Ausgrabung der Miskatonic Universität

Wir haben in der Bibliothek eine Karte zum mutmaßlichen Grabmal von Nofru-Ka gefunden und gehört, dass zurzeit eine Expedition der Miskatonic Universität mit einer Ausgrabung in der Nähe im Tal der Winde beschäftigt ist. Unsere Nachforschungen ergeben, dass diese Ausgrabung tatsächlich auf der Suche nach demselben Grabmal ist.

Leiter ist Prof. Dr. Galloway, der mir noch als Koryphäe bekannt ist. Nichtsdestotrotz sucht sein Team bereits seit mehreren Jahren erfolglos in der Umgebung von Kairo. Entweder stellt er sich nicht besonders schlau an oder jemand hat ein starkes Interesse daran, einen Erfolg der Expedition zu verhindern. Mithilfe der Karte könnten wir ihn vermutlich unterstützen. Da wir dasselbe Fachgebiet teilen, befürchte ich ein wenig, dass Galloway Konkurrenz fürchtet und sich wenig kooperativ zeigt.

Also telegrafiere ich ihm und biete Informationen zu Nofru-Ka an, wenn wir ihn vor Ort besuchen können. Er lädt uns tatsächlich ein und will uns in Kairo abholen lassen. So machen wir uns auf den Weg.

Despina leiht mit für die Fahrt das De Vermis Mysteriis, allerdings komme ich nicht wirklich dazu, viel davon aufzuarbeiten. Ich hoffe, bei der Ausgrabung noch etwas mehr Zeit zu finden. Leider wird sich diese Hoffnung nicht erfüllen.

Reise in die Wüste

In Kairo werden wir am nächsten Tag von zwei Mitarbeitern des Professors abgeholt, die uns zur Ausgrabungsstelle bringen sollen: Rakim und Urda. Wir reiten auf Kamelen vorbei an den beeindruckenden Pyramiden vor den Toren Kairos, ein Anblick, den ich zwar schon mehrfach genossen habe, der mich aber jedes mal wieder in seinen Bann zieht. Welch ungeheure Anstrengung und hochentwickelte Ingenieurskunst nötig war, um diese monumentalen Bauwerke zu errichten!

Auch das Tal der Könige liegt auf unserem Weg. Hier herrscht  rege Betriebsamkeit, obwohl die letzte große Entdeckung durch Carter, das Grab des Tutanchamun, bereits sieben Jahre zurückliegt. Wir wundern uns über einen hohen Metallmast, der gerade errichtet wird. Ich frage die Arbeiter und erfahre, dass es sich um einen Anlandeplatz für Zeppeline handelt, der von der New World Inc. In Auftrag gegeben wurde. Wir sind uns sehr sicher, dass das nichts Gutes zu bedeuten hat.

Um unser ungutes Gefühl zu verstärken, haben wir plötzlich die unheimliche Vorstellung, dass die gigantische Sphinx uns bedrohlich anschaut und die Warnung zuraunt, dass wir umkehren sollen. Rakim und Urdal scheinen nichts zu merken und wir haben mittlerweile schon weit Beunruhigendes erlebt, als dass man uns derart leicht aus der Fassung bringen könnte. Mit einem Achselzucken setzen wir unsere Reise fort.

Schließlich ist um uns herum nur noch die Weite der Wüste, brennend heiß am Tag und empfindlich kühl in der Nacht. Der Sternenhimmel über uns entschädigt für die Anstrengungen.

Der Überfall

Am dritten Tag unserer Reise werden unsere beiden Begleiter plötzlich unruhig. Am Horizont ist eine Reitergruppe zu erkennen, die Rakim und Urda für Wüstenräuber halten. Dieser Beduinen unter dem Anführer Kemal haben sich auf Karawanen spezialisiert, westliche Besucher wurden bisher aber noch nicht angegriffen, vermutlich fürchtet selbst ein Wüstenräuber politische Verwicklungen. Aber es gibt für alles ein erstes Mal.

Die Reiter kommen auf uns zu und wie befürchtet zwingen sie uns mit vorgehaltenen Waffen, abzusteigen und ihnen all unsere Habseligkeiten zu geben. Unsere Begleiter werden freigelassen und fliehen in die Wüste. Wir werden mit verbundenen Augen mitgenommen.

Als uns schließlich die Augenbinden abgenommen werden, befinden wir uns in einer Art Höhle, vor uns ein Loch im Boden. Ohne weitere Vorreden werden wir dort hineingestoßen und landen recht unsanft ein paar Meter weiter unten. Die Männer oben am Rand drehen sich um und nehmen die Fackeln und damit jegliches Licht mit sich. Wir stehen im Dunkeln.

Das Grab

Bevor Panik ausbrechen kann, fassen wir uns an den Händen und machen uns auf den Weg nach vorn, es gibt nur diese eine Richtung. Ein sehr enger Gang, durch den wir nur kriechend vorwärts kommen, führt weiter durch die Dunkelheit. Wir bilden uns ein, eine leise Musik zu hören, Pfeifen und Flöten, die vor uns in der Dunkelheit spielen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit sehen wir vor uns einen schwachen Lichtschimmer, vorsichtig kriechen wir bis zum Rand des Ganges und sehen in eine von Fackellicht erhellte Kammer.

Nofru-Ka

Eine gespenstische Szene spielt sich dort ab: Eine weiß gewandete Gestalt, vielleicht ein Priester, kniet mit dem Rücken zu uns vor einer größeren Gestalt in Gold, deren Gesicht im Schatten liegt. Dahinter erheben sich noch zwei riesige Figuren, deren Köpfe ebenfalls nicht zu erkennen sind. Darüber spannt sich eine Art Balkon, auf der sich etwas zu bewegen scheint.

Der Priester singt in einer vermutlich vorkoptischen Sprache, die ich nicht verstehe. Ich konzentriere mich ganz auf die Köpfe der beiden Figuren, sie scheinen die Form von Schakalen zu haben, das Gesicht der goldenen Figur besteht aus flüssigen Schatten.

In diesem Moment wird mir die Tragweite der Szenerie vor mir bewusst. Wir werden Zeuge des Todes von Nofru-Ka! Und das vor mir ist eben jener Nofru-Ka, dessen Sohn den Sand mit dem Blut der Ägypter tränken soll. Die Prophezeiung hat hier ihren Anfang genommen, gleich werden die Männer des Pharaos kommen und Nofru-Ka töten! Wie in Trance krieche ich aus dem Schutz des Ganges und stolpere auf die Gestalt zu, ich muss es verhindern! Nofru-Ka!

Die Vision endet abrupt, die Fackeln verlöschen, der Raum bleibt in schwachem Dämmerlicht zurück. Ich komme langsam wieder zur Besinnung und finde mich mitten im Zentrum der Kammer. Verdammte Schwäche! Wir hätten beobachten können, was damals vor tausenden von Jahren wirklich passiert ist und vielleicht einen Hinweis erhalten, wie wir die Erfüllung der Prophezeiung verhindern könnten. Aber mein Verstand hat mich im Stich gelassen.

Während ich noch mit meinem Versagen hadere, klettert Philip bereits den Balkon hoch, um ihn zu inspizieren. Er hat Recht, ärgern kann ich mich später, zunächst müssen wir herausfinden, was hier vor sich geht und wie wir entkommen können!

Auf dem Balkon befindet sich eine schwarze Sphinx aus Onyx, die über und über mit Hieroglyphen verziert ist. Zwar wurden diese mit großer Kunstfertigkeit eingemeißelt, sie wirken aber allesamt bedrohlich und falsch. Werden sie für eine Art Ritual benötigt?

Die Rettung

Das Licht wird langsam schwächer und wir beeilen uns, durch einen zweiten Gang weiter zu kriechen. Der endet scheinbar als Sackgasse in weichem Sand, Philip beginnt aus purer Verzweiflung zu graben und mit vereinten Kräften können wir uns einen Weg an die Oberfläche bahnen.

Wir stehen mitten in der Wüste, ich bemühe mich aus dem Gedächtnis, unsere Position mit der Karte vom Grabmal abzugleichen, sie stimmen nicht überein. Aber das hätte auch keinen Sinn ergeben. Laut der Aufzeichnungen haben die Männer des Pharaos Nofru-Ka in seinem Tempel während des Gebetes getötet, begraben wurde er von seinen Jüngern an einer anderen Stelle.

Auf gut Glück marschieren wir los, auch wenn wir einen Marsch durch die Wüste ohne Wasser nicht lange überleben werden. Aber was bleibt uns übrig? Wir fragen uns, weshalb uns Kemals Männer dorthin gebracht haben. Wenn sie uns nur hätten töten wollen, wäre dies eine denkbar umständliche Vorgehensweise gewesen. Wollten sie, dass wir die ganze Geschichte kennen und verstehen? Leider werden wir jetzt nicht mehr erfahren, was weiter geschehen ist, als Nofru-Ka ins Gebet vertieft war.

Philip klettert auf eine Düne und zu unser aller Erleichterung sieht er in einiger Entfernung ein Lager. Es ist die gesuchte Ausgrabung von Prof. Galloway. Er empfängt uns sichtlich überrascht, von Rakim und Urdal fehlt weiterhin jede Spur. Trotz unserer Erschöpfung erkunden wir nach kurzer Pause das Lager.

Prof. Dr. Galloway

Galloway ist erleichtert, als er hört, dass wir nicht von der MU geschickt wurden. Dies verleitet ihn zu einer gewissen Herablässigkeit mir gegenüber, was ich ihm bei Gelegenheit angemessen zu vergelten gedenke. Hier und jetzt zählt allerdings unsere Mission. Ich stelle schnell fest, dass Galloway keinen Schimmer von der geschichtlichen Einordnung, geschweige denn der Prophezeiung von Nofru-Ka hat. Für ihn handelt es sich um ein weiteres Priestergrab, in dem er glänzende Gegenstände zu finden hofft. Was für ein Einfaltspinsel.

Er wird von zwei Studenten unterstützt, denen man wahrlich einen etwas kompetenteren Ausbilder gewünscht hätte: Lawrence Daniels und Richard Mc Farland. Hauptberater der Expedition ist der Einheimische Hamid El-Katif, den unser Anblick sehr zu verunsichern scheint. Es ist uns nun ziemlich klar, weshalb der ahnungslose Galloway seit Jahren im Trüben fischt. Sein geschätzter Berater führt ihn absichtlich in die Irre.

Als ich die Karten der Ausgrabung studiere und mit meinen Erkenntnissen von der Karte des Grabmals vergleiche, stelle ich fest, dass der gute Galloway rund 15km zu weit südlich gräbt. Auch wenn es mich durchaus reizt, ihm seine Unwissenheit vorzuführen, muss das noch etwas Zeit haben. Zunächst müssen wir sicher gehen, was es mit El-Katif auf sich hat.

Despina hat sich unterdessen in Katifs Zelt geschlichen, wir treffen uns beide draußen. Sie ist aufgeregt und fahrig, denn all unsere persönlichen Unterlagen waren tatsächlich in Katifs Zelt. Sie hat nur zwei Briefe mitgenommen, deren Absender höchst interessant sind.

Die Briefe an El-Katif

Einer stammt von Baron Hauptmann aus Klausenburg, der Katif empfiehlt, bei Gefahr den Sternenvampir zu beschwören. Katif scheint doch etwas mehr als ein einfacher Handlanger zu sein. Der Baron berichtet ihm von der Stelle in der Bibliothek von Celaeno, die wir bereits untersucht haben. Auch Edward (Chandler), der Baron selbst und Lang Fu sollen diesen Rückzugsort gelegentlich aufsuchen. Der Brief enthält eine Sternenkarte und schließt mit den Worten: „Alles Heil Yog-Sothoth, Hauptmann“

Der zweite Brief stammt von einem Herrn von Lüderitz aus Kairo, damit wären auch die Initialen auf dem Taschentuch des vermeintlichen Majors von Meier geklärt. Dieser warnt Katif vor unserer Ankunft und fordert ihn ausdrücklich dazu auf, uns daran zu hindern, das Grab des Nofru-Ka freizulegen, notfalls auch mit Gewalt. Von Lüderitz erwähnt Schriftrollen, die „Informationen zu einem Zauber“ enthielten und uns nicht in die Hände fallen dürften. Es ist weiter die Rede von einem „Führer“, der bereits vor 30 Jahren dafür gesorgt hätte, hätte er die Entwicklung vorhergesehen. Ist dieser Führer der Baron Hauptmann?

Somit hat der Major Von Meier/Lüderitz uns in Alexandria ausgehorcht und Katif vor unserem Eintreffen gewarnt. Dieser hat dann die Wüstenräuber um Kemal angeheuert, uns aus dem Weg zu räumen. Das erklärt natürlich den überraschten Gesichtsausdruck von Katif, als wir im Lager ankamen. Er hatte gedacht, das Problem bereits gelöst zu haben. Aber weit gefehlt!
Was uns allerdings wundert, wieso haben uns die Räuber nicht einfach umgebracht, warum haben Sie uns den Tempel mit Nofru-Ka gezeigt?

Obwohl wir von dort entkommen konnten, ist unsere Lage nun recht heikel. Hamid El-Katif trachtet uns nach dem Leben und er verfügt vermutlich über einige Macht, wenn Hauptmann ihm die Beschwörung eines Sternenvampirs nahelegt. Zudem wissen wir nicht, wie viele Männer im Lager für ihn arbeiten und ihm treu ergeben sind. Zumindest die Wüstenräuber um Kemal haben wohl in seinem Auftrag gehandelt. Auch hält Galloway große Stücke auf ihn. Es wird schwierig, den Professor davon zu überzeugen, dass Katif ihn absichtlich in die Irre führt.

Verborgene Talente

Während Despina und ich investigativ tätig waren, hat Philip sich ganz praktisch nützlich gemacht. Ein großes Gefährt, welches wohl die Grabungen erleichtern sollte, war beschädigt worden. Ob es sich um Sabotage handelt, können wir zwar nicht mit Sicherheit sagen, es liegt aber nahe. Philip schafft es nach einiger Zeit, das Vehikel wieder funktionstüchtig zu machen, was ihm die Dankbarkeit Galloways und den großen Respekt der Arbeiter einbringt. El-Katif dürfte weniger begeistert sein.

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