The Sense of the Sleight-of-Hand Man 10 und 11

Ich stehe auf einem weitläufigen Platz. Die Sonne scheint auf eine große Menschenmenge herab, die erwartungsvoll auf eine schwarz gewandte Gestalt gerichtet ist. Ich sehe im Hintergrund die beeindruckenden Pyramiden, wir sind in Kairo. Ich bin wie alle hier in weiße, lockere Gewänder gekleidet, scheinbar sehe ich die Szene durch die Augen eines anderen. Die schwarze Gestalt auf dem Podest trägt eine Maske aus Porzellan, die sie nun in einer dramatischen Geste abnimmt. Dahinter ist gleißendes Licht zu sehen, die Menge beginnt zu jubeln, auch ich.

Ich wache auf und es dauert einen Moment, bis ich mich erinnere, wo ich mich befinde. Wir sind Gäste des Mannes im Mond und seiner Prinzessin Lucerna.
Vredni Vorastor hat sich als äußerst wankelmütiger Charakter erwiesen, Lucerna ist ein Biest, das Damien bereits für seine sadistischen Spiele benutzt hat. Der Hausgast Byron Humphrey ist ein völlig verängstigter Geselle, der versucht, sich möglichst im Hintergrund zu halten. Von ihm hatten wir einen weiteren Splitter des Traumsteins bekommen, der sich dann mit den anderen zu einem Ganzen zusammensetzte.

Im Keller des großen Herrenhauses befinden sich neben dem verräterischen Corb-Jin, der uns hierher gebracht hat, noch ein Kapitän mit seinem Obermaat sowie ein sonderbares Wesen mit Stielaugen und Flügeln, welches uns auf telepathischem Wege um Hilfe bat. Ein bizarrer Garten erstreckt sich im Haus über zwei Stockwerke. Das erstaunlichste dort sind die lebensechten Statuen von jungen Mädchen. Es befindet sich auch ein Junge unter ihnen, bei dem allerdings der Arm abgebrochen ist. Die Statuen sind so meisterhaft lebensecht, dass wir uns des bösen Gefühls nicht erwehren können, dass dies einmal echte Kinder gewesen sind, die durch einen Zauber versteinert wurden.

Vredni hatte uns gesagt, dass am morgigen Tag ein besonderer Gast erscheinen würde, und wir verspüren den dringenden Wunsch, das Haus und seinen unheimlichen Gastgeber vor dessen Eintreffen hinter uns zu lassen. Da uns aber unsere Waffen abgenommen wurden, beratschlagen wir zunächst, wie wir sie zurückerlangen und unbemerkt entkommen können.

Li hatte in der umfangreichen Bibliothek herausgefunden, dass ein einfacher Hirte Namens No-Spey das Kriechende Chaos Nyarlathotep überlistet hatte. Dabei hatte sie die schockierende Erkenntnis gewonnen, dass auch Jesus Christus nur eine weitere Inkarnation von Nyarlathotep gewesen ist. Auch wenn ich nie ein wirklich gläubiger Mensch gewesen war, so entsetzte mich die Vorstellung doch, dass all diese Menschen eine solch grässliche Kreatur zu ihrem Gott erhoben hatten. Und ein weiterer schrecklicher Gedanke überkommt mich, hatte ich in meiner Traumvision vielleicht gesehen, wie Nyarlathotep versuchte, sich ein weiteres Mal als Messias aufzuschwingen?

Wir sehen uns noch einmal gründlicher im Haus um und finden in einem zurzeit leer stehenden Gästezimmer das Skelett eines Mannes von Leng in einer verschlossenen Truhe, die für Li aber keinerlei Problem darstellt. Wir nehmen dem Toten einen Schlüsselbund ab. Dann finden wir noch das alte Tagebuch eines kleinen Mädchens, welches wohl von Vredni entführt und gefangen gehalten worden war. Sie schildert ihren Schrecken und ihren Wunsch wieder heimkehren zu können, auf den letzten Seiten spürt man ihre Angst vor Lucerna, die sie wohl nicht leiden kann. Li ist entschlossen, die Statuen im Gartenzimmer zu erwecken, koste es, was es wolle.

Doch zunächst müssen wir an einem weiteren geschmacklosen Fest unseres Gastgebers teilnehmen. Neben den üblichen Speisen aus rosanem Fleisch und obskuren Pilzgewächsen, bei deren bloßem Anblick mich Übelkeit überkommt, findet noch ein bizarres Turnier statt. Einige der Bediensteten schwingen sich auf die echsenartigen Tiere, die hier als Nahrung dienen, und reiten in einer grotesken Karikatur eines Turniers aufeinander zu, um den anderen mit einer Lanze aus dem Sattel zu stoßen. Da die Spitzen der Lanzen gepolstert sind, kommt so zwar keines der Wesen ernsthaft zu schaden, ein mulmiges Gefühl bleibt aber dennoch.

Damien erklärt sich schließlich zur Teilnahme bereit und tritt gegen einen der Männer von Leng an. Wir halten den Atem an, als er nach dem Start beinahe aus dem Sattel fällt, aber er fängt sich und trifft seinen Gegner mit solcher Gewalt, dass dieser tödlich getroffen zu Boden geht. Die Prinzessin ist begeistert, die Reste des bedauernswerten Geschöpfes werden rasch beseitigt. Damien versucht seinen Schrecken zu verbergen. Wir alle beäugen misstrauisch die Prinzessin, hat sie ihrem Spielgefährten geholfen?
Auch der nächste Kampf wird blutig. Wieder hat Damien einen äußerst schlechten Start und schafft es im allerletzten Moment, auch diesen Gegner aus dem Sattel zu werfen. Die Lanze durchdringt die Polsterung und bohrt sich in seinen Gegner, der ebenfalls sofort sein Leben aushaucht. Wieder jubelt Lucerna. Auch Vredni zeigt sich tief beeindruckt und gewährt Damien einen Wunsch. Dieser fragt nach den Statuen, was Vredni sichtlich verwundert. Der Mann im Mond erbittet sich Bedenkzeit.

Wir ziehen uns schließlich zurück. Damien sucht noch einmal die Bibliothek auf, während Li und ich in den Garten gehen. Li hatte bereits versucht, den abgebrochenen Arm der Jungenstatue mit ihrer Willenskraft wieder anzubringen, musste aber erschöpft aufgeben. Wir vereinen nun unsere Kräfte und tatsächlich ist der Arm nun wieder an seinem Platz. Jetzt kommt die wahre Herausforderung, den versteinerten Jungen wieder zum Leben zu erwecken. Ich stelle ihn mit in allen Einzelheiten vor, seine Haare, die Farbe seiner Augen, die Beschaffenheit seiner Kleidung. Wir geben all unsere Kraft und bevor uns die sinne schwinden, sehe ich noch, wie das Leben in das Jungengesicht vor mir zurückkehrt. Dann nur noch Schwärze.

Wir erwachen in unserem Zimmer. Damien hat uns gefunden und zurückgebracht. Der junge ist verschwunden und wir machen uns auf die Suche. Wir finden ihn schließlich und Li schafft es, sein Vertrauen zu gewinnen. Er bestätigt unsere Vermutung, dass er als Spielgefährte für Lucerna hergebracht und sie seiner irgendwann überdrüssig geworden war. Wie genau er versteinert wurde, kann er aber nicht sagen.

Wir planen unsere Flucht und schließlich müssen wir uns eingestehen, dass es nur eine Möglichkeit gibt, wir müssen uns dem Hausherren und seiner Prinzessin stellen. Eine unbemerkte Flucht wäre wenig aussichtsreich, solange diese beiden nicht ausgeschaltet sind. Ich hatte bereits durch die mir verliehene Macht gesehen, dass beide Diener des Kriechenden Chaos sind, und somit durch meinen Angriff verwundbar. Alles hängt nun davon ab, dass ich beide getrennt voneinander überraschen kann.

So suche ich zunächst Vredni auf und locke ihn unter dem Vorwand, mit ihm über seine Bilder zu sprechen, in sein Atelier. Der eitle Narr fällt auf diese List herein und als er mir den Rücken zuwendet, schlage ich mit aller Macht zu. Vredni wird meterweit davongeschleudert und bleibt leblos liegen. Im selben Moment ertönt von unten ein markerschütternder Schrei, Lucerna spürt, dass Vredni angegriffen wurde!

Wir stürmen die Treppe herunter, während die Prinzessin auf der anderen Seite alle Wächter und Diener nach oben jagt, um uns auszuschalten. Wir gelangen in ihrem Rücken nach unten und Damien legen mit sich geschickt ab, so dass ich auch sie mit der Macht angreifen kann, die mir der Gefangene auf der Insel verliehen hat. Und wie ihr Prinz wird die Prinzessin schwer getroffen und rührt sich nicht mehr. Von oben hören wir das Scheppern der Wächterkreaturen, die in sich zusammenfallen, jetzt wo kein Wille sie mehr zusammenhält. Die Diener stürzen kopflos an uns vorbei und flüchten.

Wir stürmen in den Keller, befreien dort alle und gehen dann noch einmal in den Garten, um so viele Statuen wie möglich mitzunehmen. Unsere sonderbare Truppe flieht dann auf die Schwarze Galeere, Corb-Jin übernimmt wieder das Kommando und wir fahren auf den Katarakt in der Mitte des Mondsees zu. Wir stürzen in das Loch und landen schließlich etwas durchgeschüttelt, aber unverletzt wieder auf der Erde. Der nächste Hafen ist Ilek-Vad.

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