Die Bestie II: Die Blutlinie #1

Die Episode in Malta liegt hinter den Charakteren und fast die ganze Truppe trifft sich Alexandria. Dort wird man jedoch unvermittelt in neue Abenteuer hineingezogen.

  • Vitus Hartmann
  • Philip Arthur
  • Despina von Bodenschwing
  • Angus Fergusson

Ende Januar 1929

Ankunft in Alexandria

Vitus und die anderen haben sich nach dem erfolgreich vereitelten Anschlag auf Malta mit der Yacht von Senator Johnson nach Alexandria begeben. Vitus ist dann nach kurzem Aufenthalt gleich weiter gefahren, weil sich – so seine Aussage – mittlerweile die Leichen auf seinem Tisch in New York stapeln müssten. Auch Edward verabschiedete sich, stattdessen stieß sein Freund Philip dazu.

Noch während wir uns am Hafen versammelten, kam ein gepflegter älterer Herr auf uns zu, der uns mit französischem Akzent begrüßte und einen Brief überreichte. Er kannte wohl auch el Yassif, der leider ermordet worden war, als man uns unsere Organe stahl. Wir sollten einen Mahmut Ibn Salar auf dem Basar finden, er könnte uns bei unserer Suche behilflich sein. Worin genau diese Suche bestünde, sagte er jedoch nicht.

Das Ritual von Ibn Salar

Nachdem die anderen eingecheckt hatten, machten wir uns auf den Weg zum Basar und fragten uns zu Ibn Salar durch. Er war ein kleiner, sehr alter Mann und führte einen kleinen, völlig mit Gerümpel zugestellten Laden in einer Seitengasse.

Er berichtete uns, dass er von uns geträumt und seit Wochen auf unsere Ankunft gewartet hätte. Wie es aussah, hatte er bereits alles für ein Ritual vorbereitet, welches uns auf eine „weite und besondere Reise“ schicken sollte. Er nutzte dazu neben Räucherwerk einen faustgroßen fünfzackigen Steinstern und bat uns alle, unser Blut für das Ritual zu geben.

Ich kann gar nicht genau sagen, weshalb wir diesem Fremden einfach vertrauten und uns darauf einließen. Vermutlich hatten wir in den letzten Jahren so viele sonderbare Erlebnisse gehabt, dass es für uns gar keine Alternative mehr gab. Wir wussten zwar nicht, auf was für einer Suche wir uns befanden, aber dass da irgendetwas im Gange war, dass wir auf jeden Fall verhindern mussten, war uns allen mittlerweile klar. Warum also nicht dem verhutzelten kleinen Mann vertrauen?

Angriff in der Wüste

Ich weiß nicht, was genau ich erwartet hatte, vielleicht eine Art Vision oder Dergleichen, aber die Folgen des Rituals waren wesentlich greifbarer. Ich befand mich plötzlich mitten in der Wüste, umgeben von mir völlig unbekannten Menschen in mittelalterlicher Gewandung. Als ich an mir herunter schaute, stellte ich fest, dass ich sehr viel größer war als normal und eine Art Kutte trug. Meine Überraschung wuchs ins Unermessliche, als ich merkte, dass ich einen Bart hatte.

Ich befand mich ganz offensichtlich im Körper eines Mannes!

Ein Gedanke durchzuckte mich: Marten, der Ruhige. Dies schien mein Name zu sein, aber mehr wusste ich nicht über die Person, die meinen Geist nun beherbergte. Während ich noch grübelte, was dies alles zu bedeuten hatte, explodierte neben mir der Sand.

Die Leute um mich herum schrien, einige wurden durch die Luft gewirbelt. Aus der Wüste brach eine riesige, wurmartige Kreatur hervor, die mit ihren Tentakeln gierig um sich griff. Sie verschlang einige der in Panik herum irrenden Menschen, bevor sie wieder im Sand verschwand.

Sammeln der Gruppe

Ich nutzte die allgemeine Verwirrung, um nach meinen Freunden zu rufen. Und tatsächlich kamen sie alle unversehrt zu mir, allerdings ebenfalls in anderen Körpern. Angus trug ähnliche Kleidung wie ich, er hieß in dieser Welt Augustin und war Übersetzer, während mir nun einfiel, dass ich eine Art Gelehrter war. Arthur steckte in einem schweren Kettenhemd und verdiente seinen Lebensunterhalt offensichtlich als Söldner, er nannte sich hier Der große Philips. Despina hatte es wohl von uns allen am ungünstigsten getroffen, so wie ich sie einschätze. Sie war im Körper eines hübschen Mädchens gelandet, was an sich nicht schlimm wäre. Aber zu welchem Zweck die junge Christina mit den Söldnern hier in der Wüste war, wollten wir uns lieber nicht genau ausmalen.

Nachdem wir uns wiedergefunden hatten, sahen wir uns unsere Umgebung genauer an. Die meisten in der Karawane waren jung und kräftig, vermutlich hätten Schwächere gar nicht bis hierher ausgehalten. Es gab durch den Angriff des Wurms viele Verletzte.

Zwei Gestalten fielen uns besonders auf, ein alter Asiate in einem schillernden Seidenmantel und ein jüngerer Ritter. Die Beiden schienen als einzige nicht geschockt zu sein, lediglich etwas enerviert.

Die Karawane

Wir beschlossen, uns so unauffällig wie möglich zu verhalten und mehr über die Ziele der Karawane herauszufinden. Doch das erwies sich als schwierig, weil die Gespräch zwar auf deutsch stattfanden, aber eben einer sehr frühen Version. Wir verstanden nur die Hälfte und auch die anderen reagierten verwirrt auf unser Gestammel. Immerhin konnten wir herausfinden, dass fränkische Söldner und sogar Straßenräuber dabei waren. Alle erhofften sich gutes Geld für ihre Dienste und marschierten schon seit Monaten. Ihr Weg hatte sie über die Meerenge von Gibraltar nach Tripolis und weiter in die Wüste geführt, wir befanden uns jetzt wohl irgendwo in Mauretanien. Das Jahr war 1140 n. Chr. Wäre unsere Lage nicht so unsicher, ich wäre hellauf begeistert. Auch wenn ich mich eigentlich auf ältere Hochkulturen spezialisiert habe, war dies eine einmalige Gelegenheit, die Lebenswelt der Menschen im Mittelalter zu erkunden.

Leider hatten wir jedoch schon die Aufmerksamkeit der Anführer des Trupps auf uns gezogen und wurden unter Bewachung in ein Zelt geführt. Dort unterhielten sich der blonde Ritter und der Asiate über das Wesen von vorhin. Sie nannten es „Cthtonier“ oder so ähnlich. Und sie sprachen von einem Wesen namens Shudde M’ell, welches „Mutter und Vater“ des Wurmwesens sein sollte.

Der Ritter sagte uns, er würde uns wegen unseres sonderbaren Verhaltens normalerweise töten lassen, hätte er nicht an diesem Tag schon zu viele Leute verloren. So kamen wir gerade nochmal davon.

Die Suche nach Celaeno

Auf dem Weg aus dem Zelt konnten wir hören, dass der Trupp auf der Suche nach Celaeno war, diesen Begriff hatten wir bereits auf der Burg Hauptmann gehört. Und tatsächlich wurde der Ritter auch mit Baron Hauptmann angesprochen. Der Asiate hieß Lang Fu, niemand von uns konnte sich erinnern, diesen Namen schon einmal gehört zu haben.

Um dieses Celaeno zu finden, hatten die beiden offenbar schon einiges auf sich genommen. So erwähnten sie eine gewisse Hypatia aus Alexandria, die helfen könnte, aber man hätte sich bereits mit ihr überworfen, weshalb ein anderer Weg gefunden werden musste. Der Baron wollte bereits in dieser Nacht tätig werden, was genau er plante, erfuhren wir leider nicht.

Ein freundlicher Araber sprach mit uns, er stellte sich als Salar vor, wir glaubten natürlich keine Sekunde an einen Zufall, schließlich hatte uns Ibn Salar überhaupt erst hierher gebracht. Aber ob dieser Salar irgendetwas wusste oder uns helfen konnte, wussten wir nicht. Wir entschieden uns zunächst, uns ihm nicht zu anzuvertrauen.

Nacht in der Wüste

Wir wollten nachts unbedingt herausfinden, was der Baron vorhatte. Arthur alias Der große Philips folgte ihm und zwei Wächtern in die Wüste. Sie nahmen einen der schwer Verwundeten mit sich.

Arthur berichtete uns später, dass der Baron den Verwundeten opferte, um den Sternenvampir herbeizurufen, der ihn auch auf der Burg Hauptmann davon getragen hatte. Und auch hier verschwand das Monstrum mit dem Baron, nachdem er den Verwundeten getötet hatte.

Hypatia

Despina/Christina und ich schlichen uns derweil zum Zelt des Barons. Bei meiner Suche stieß ich auf detaillierte Informationen zu Hypatia. Es handelte sich tatsächlich um DIE Hypatia aus Alexandria, eine Gelehrte und Philosophin, die im 5. Jahrhundert n. Chr. von ignoranten Christen ermordet worden war. Sie konnte laute den Texten „Suchende zur Bibliothek von Celaeno führen“. Allerdings wurden dafür eine Sternenkarte und eine Karte von Alexandria benötigt sowie einige mathematische Berechnungen. Außerdem musste die Sternenkonstellation stimmen. Ich präge mir die notwendigen Maßnahmen ein. Vielleicht war die Dame uns gegenüber hilfsbereiter.

Zur Bibliothek hatten wir bereits in der Burg Hauptmann einige Aufzeichnungen gefunden. Er hatte den Weg zur Bibliothek auf einem Sternenvampir zurückgelegt und eine Flüssigkeit gehabt, die gegen die Auswirkungen des Alls auf den Menschen immun machen sollte. Scheinbar war er gerade auf dem Weg, den alternativen Weg heraus zu finden.

Lang Fu

Am nächsten Tag war der Baron noch nicht zurückgekehrt und niemand wusste, wie lange er fortbleiben würde. Es hieß, er empfange in der Wüste eine Vision und wir sollten auf seine Rückkehr warten.

Despina/Kristina teilte sich ihr Zelt mit einer anderen jungen Frau, die schwanger war. Kurioserweise war der große Philips scheinbar der Vater, was Arthur in einige Bedrängnis brachte. Das Mädchen sang normalerweise immer für Lang Fu, aber da sie sich nicht wohl fühlte, bat sie Despina/Kristina, dies für sie zu erledigen.

Glücklicherweise verfügten wir alle über einige der Fertigkeiten unserer Wirtskörper, so dass Despina als Kristina in der Lage war, eine durchaus hörbare Vorstellung zu liefern. Lang Fu jedenfalls war zufrieden und ließ einen vorlauten Söldner, der sie verspottete, kurzerhand köpfen.

Nun blieb die Frage, was wir tun sollten, bzw. ob wir überhaupt etwas tun sollten. Vielleicht waren wir nur hier um zu beobachte und um die Dinge in der Gegenwart verstehen zu können. Vielleicht konnten wir aber auch eingreifen und verhindern, dass der Baron die Bibliothek fand. Dort sollten sich Hinweise auf ein Volk finden lassen und auf eine Blutlinie und deren Nachfahren, die Erben eines Stammbaums, der vermutlich mit Nofru-Ka seinen Anfang genommen hatte.

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