Die Bestie II: Die Burg #02

Siebenbürgen hält neben einem plötzlichen Schneesturm noch ganz andere Gefahren für die Gruppe an Investigatoren bereit. Mittlerweile wieder vollzählig machen sie sich diesmal daran, die Burg und das Geheimnis um Baron Hautpmann zu enträtseln.

Aufzeichnungen von Vitus Hartmann.

Reise nach Siebenbürgen

Aufgrund eines dringenden Termins konnte ich erst einen Tag nach der Gruppe Richtung Europa aufbrechen. Somit entgingen mir leider die ersten Ermittlungsergebnisse sowie der vermeintliche Vampirangriff.

Kalter Wind und starker Schneefall machen das letzte Wegstück von Klausenburg nach Drovosna recht ungemütlich. Auf dem Weg stoßen wir auf eine umgestürzte Kutsche, der Kutscher ist allerdings unverletzt und gemeinsam können wir sein Gefährt wieder auf die stark verschneite Straße ziehen.

Im Wirtshaus treffe ich auf meine Gruppe, die mir von ihren Erlebnissen berichtet. Wir beschließen, am nächsten Morgen den Leichnam von Vid zu untersuchen und das Bücherregal zu inspizieren, welches sich in der Kirche befindet.

Die Kirche

Die Leiche von Vid

Pfarrer Petru Capreanu ist sehr hilfsbereit, besonders nachdem Arthur bereitwillig beim Schneeschippen geholfen hat, und ich kann die Leiche des getöteten Vid untersuchen. Auf unsere erneute Nachfrage, ob er den Baron schon einmal zu Gesicht bekommen habe, sagt er, dass er ihn vor etwa fünf Jahren gesehen habe und beschreibt ihn als klein, kräftig und dunkelhaarig.

Vid ist ein kleinwüchsiger Mann mittleren Alters. Sein Genick wurde gebrochen und er ist nahezu komplett blutleer, seine einfache Kleidung ist zerfetzt und übersät mit kleinen Bisswunden, die von keinem mir bekannten Tier stammen. Als einzigen Schmuck trägt er ein kleines Metallkreuz um den Hals. Es gibt keine Blutflecken an der Kleidung, das Geschöpf scheint ihm erst das Genick gebrochen zu haben, um ihn bewegungsunfähig zu machen, und ihn dann buchstäblich ausgesaugt zu haben.

Bücher über den Baron Hauptmann

Im Keller der Kirche finden sich Bücher in rumänischer, deutscher und lateinischer Sprache. Wir finden Informationen zur Geschichte der Gemeinde und zu Baron Hauptmann.

  • 1545 erhob die Kirche Anklage gegen den Baron wegen Freiheitsberaubung und Folter
  • 1549 Exkommunikation des Barons
  • 1628 Der Baron soll ein Bauernmädchen entführt und getötet haben
  • 1632 Der Pfarrer Jan Sevchik wurde Augenzeuge der Verbrechen des Barons und hat eine versiegelte Schriftrolle hinterlassen
  • 1886 Der ungarische Baron Spangylesz verschwindet bei seinem Besuch auf der Burg -> er ist von kleiner, kräftiger Statur und dunkelhaarig, genau wie der Pfarrer den Baron beschrieben hat!
Die Schriftrolle des Pfarrers Sevchik

Pfarrer Jan Sevchik versiegelte die Schriftrolle mit einem uns unbekannten verschlungenen Zeichen, um es zu schützen. Er weist darauf hin, dass dieser Bericht von der Version abweichen würde, welche er den kirchlichen Legaten übermittelt habe:

  • 1627 gelangte Sevchik in den Besitz eines griechischsprachigen Buches, welches ursprünglich dem Baron gehörte. Es wurde von einem heidnischen Dichter verfasst und befasste sich unter anderem mit gotteslästerlichen Dingen“ sowie Schutzwerk gegen Teufel und Dämonen“.
  • 1628 entführte der Baron ein Bauernmädchen, welches er ermordete und dann über die Burgmauer warf. Den Vater des Mädchens tötete der Baron angeblich mit der Kraft seines bösen Blickes“.

Diese Geschehnisse veranlassten Sevchik dazu, das griechische Buch zu studieren. Das Buch berichtet von Ungeheuern und Monstern“, handschriftliche Notizen des Barons weisen darauf hin, dass er diese Wesen wie Götter verehrte, insbesondere einen, der unter der Burg in einem abscheulichen Brunnen hausen sollte“. Aber es war auch die Rede von einem Zeichen, welches diese Geschöpfe abwehren sollte.

Sevchik mobilisierte die Dorfbewohner und führte sie in die Katakomben unter der Burg. Dort stießen sie auf das Geschöpf aus dem Brunnen, welches einige der Männer verschlang. Sie konnten es aber schließlich mithilfe des heidnischen Zeichens in den Brunnen zurückdrängen. Dann versiegelten sie das Loch und hämmerten das Schutzzeichen in den Stein.

Den Baron konnten sie allerdings nicht finden, lediglich seine Dienerschaft wurde getötet.

Einladung vom Baron

Theorien zu Baron Hauptmann

Bei all den mysteriösen Erlebnissen, in die wir und unsere Freunde in den letzten Jahren verwickelt wurden, scheint der Baron eine zentrale Rolle zu spielen. Ein vermutlich von Hauptmann unterzeichneter Brief an Dr. Lewis, der Experimente mit Menschen in London durchführte, sprach von der „Bestie“, was auch immer das zu bedeuten hat.

Er schrieb ebenso Dr. Cornwallis in Boston, der sich mit okkulten, magischen Experimenten beschäftigt hat.

Auch die Dunkle Bruderschaft“ und die Häuter“, von denen wir nicht wissen, ob es sich um dieselbe Gemeinschaft handelt, tauchen regelmäßig auf. Im Tagebuch des Janitscharen Konstantin war von Foltermethoden die Rede und wie Konstantin bewunderte, dass einige Soldaten trotz der Folter lachten.

Hat der Baron im 14. Jahrhundert eine Möglichkeit gefunden, sein Leben zu verlängern und dann in den folgenden Jahrhunderten Strohmänner an seiner Statt zu präsentieren? Laut Aufzeichnungen war der Baron in dieser Zeit verschwunden und später tauchte ein angeblicher Erbe auf und beanspruchte die Burg für sich.

Der Student Kurvac

Zurück im Gasthaus erinnern wir uns an den Studenten Kuvacs, welchen Despina bereits am Morgen kurz angesprochen hatte. Der junge Mann ist mit geologischen Studien rund um Drovosna beschäftigt und könnte uns bei der Suche nach einem möglichen geheimen Eingang in die Katakomben behilflich sein. Laut Despina verfügt jede Burg über solche versteckten Zugänge, um im Falle einer Belagerung unauffällig fliehen zu können.

Der Wirt sagt uns, dass der Student noch nicht zurückgekehrt sei und wir machen uns auf, um ihn zu suchen. Vor dem Wirtshaus hält uns einer der Schergen des Barons an und überbringt uns dessen Einladung zum Abendessen am nächsten Tag. Er rät uns ausdrücklich, bei Tage anzureisen, da es in der Dunkelheit zu gefährlich sei.

Nach dieser sonderbaren Begegnung begeben wir uns zum Hang an der Burg und durchsuchen die Gegend systematisch nach Kuvacs. Und tatsächlich stößt Despina nach kurzer Zeit auf den völlig verdreckten und panischen Studenten, der sie anspringt und fast niederreißt. Ihr Bediensteter Lawrence eilt ihr zu Hilfe, sie wird nicht verletzt. Wir finden einen versteckten Zugang, der vermutlich zur Burg führt.

Kuvacs steht unter Schock, hat blutige Hände, seine Fingernägel sind größtenteils abgebrochen, als habe er wie von Sinnen gegraben. Die schwarze Substanz an seinen Händen ist äußerst übelriechend und niemand von uns kann sagen, um was genau es sich handelt. Außer zusammenhangslosen Worten wie „es krabbelt“ ist nichts aus ihm heraus zu bekommen. Wir bringen ihn zum Wirtshaus und versorgen seine Verletzungen, dann machen wir uns wieder auf den Weg zum Burghang.

Die Katakomben

Dort angekommen steigen wir in den versteckten Gang, aus dem Kuvacs gesprungen war. Der Gang ist etwa 2,5 m breit und wurde ins nackte Erdreich gegraben. Nach einiger Zeit sind die Wände schließlich gemauert. Und der Gang wird breiter und höher. Wir befinden uns unter der Burg.

Tote Weißgardisten

Von dem langen Hauptgang zweigen immer wieder Gänge ab, die in Kammern enden. Die erste Abzweigung führt uns an eine Ziegelmauer, die scheinbar neueren Ursprungs ist. Angus entfernt einige der Ziegel und wir brechen in einen Saal durch, in dem wir die Leichen von gut zwei Dutzend Soldaten finden, den Uniformen nach wohl russische Weißgardisten. Sie sind wahrscheinlich während der Wirrungen des Großen Krieges in diese Gegend gelangt.

Es scheint, als habe jemand die Männer hier eingesperrt und dann sich selbst überlassen. Die Gewehre sind leer geschossen, Kugeln finden sich überall auf dem Boden, die Leichen sind teilweise wie im Kampf ineinander verkeilt, einige der Toten wurden in Stücke gerissen. Angus kann lediglich ein Notizbuch mit kyrillischen Zeichen aus der Kuriertasche eines Offiziers retten, der Rest ist bis zur Unkenntlichkeit vermodert.

Krypta

In einem weiteren Raum stehen die Sarkophage der Familie Hauptmann, auf jedem prangt ein Wappen, das einen Löwen zeigt. Allerdings lautet die Inschrift auf allen Baron Hauptmann“, es sind keine anderen Namen verzeichnet. Die älteste zu entziffernde Inschrift stammt aus dem 14. Jahrhundert, zwischen Anfang des 17. Jahrhunderts und Ende des 18. Jahrhunderts wurden keine Särge hier abgestellt. Der neueste Sarkophag gibt die Daten 1886 bis 1927 an. Wir öffnen diesen Sarg und finden die stark verweste Leiche eines kleinen, stämmigen Mannes mit dunklen Haaren. Offenkundig ist dies der Mann, den der Pfarrer vor fünf Jahren für den Baron gehalten hat.

Der Tote zeigt Spuren schwerer Folter und er trägt Kleidung, die eher zu einem einfachen Beamten denn zu einem Baron gepasst hätte. Ich schätze, dass der Tod erst vor ein paar Wochen, vielleicht auch Monaten eingetreten ist. Dieser Umstand ist umso sonderbarer, da das Todesdatum auf dem Sarg zwei Jahre zurückliegt. Wurde der Mann bereits so lange hier gefangen gehalten und gefoltert? Und wenn ja, zu welchem Zweck?

Brunnen und Siegel

Wir finden auch den Brunnen, von dem Pfarrer Sevchik in seiner Schriftrolle geschrieben hat. Wände und Boden sind mit der stinkenden, schwarzen Substanz verklebt, die wir schon an den Händen des Studenten gefunden haben. Er muss hier unten gewesen sein. Das Loch im Boden hat einen Durchmesser von gut 6 bis 8 Metern und ist mit einer Steinmauer umgeben, auf der lateinische Zeichen eingraviert sind. Sie scheinen eine Wesenheit (Schwarzer Tod“) herbeirufen oder auch vertreiben zu können. Ich präge mir die Formel ein.

In der Burg des Barons

Eingang zur Burg

Am Ende trennt sich der Weg in drei Ableger, die alle vor einer gemauerten Wand enden, aber es findet sich auch bei allen ein Hebel, der einen Geheimgang öffnet.

Der erste Gang endet in einem Kamin im Gästetrakt des Schlosses. Von hier aus sind die Stallungen zu sehen, in denen Licht brennt. Rechts von uns ist ein geschlossenes Tor, dahinter liegt der innere Burgbereich. Wir verlassen diesen Gang wieder, um ins Hauptgebäude der Burg zu gelangen.

Über den zweiten Gang gelangen wir eine steile Treppe hinauf in ein Turmzimmer, dass offenbar eine Werkstatt beherbergt. Es liegen hier viele Linsen und Gläser, vermutlich hat der Hauptmann hier auch die Augengläser für Cornwallis hergestellt, die seinem ungeborenen Kind solchen Schaden zugefügt haben. Aufzeichnungen tragen die Handschrift des Barons, die wir im Brief an Cornwallis gesehen haben.

Eine Wendeltreppe nach unten führt uns in ein großes Schlafzimmer. Uns fällt sofort der Geruch nach Verwesung auf, unter der Bettdecke zeichnet sich ein entfernt menschlicher Umriss ab.

Ausgerechnet in diesem Moment verliert die Gräfin die Nerven und schießt auf den reglosen Körper im Bett. Wir befürchten, bemerkt worden zu sein und nutzen die wenige Zeit, um uns im Zimmer umzusehen: Im Bett liegt der verstümmelte Leichnam einer Frau, unter dem Bett finden sich Folterwerkzeuge. Auf dem Nachttisch liegt ein Buch mit Holzschnitten, welche Foltermethoden darstellen.

Wie befürchtet ist unser Eindringen bemerkt worden und mehrere Männer nähern sich dem Gebäude. Despina schießt den ersten nieder und verwundet einen zweiten Mann.

Der Baron

Ein anderer Mann ist in zu einem Nebengebäude geeilt und hat den Burgherren alarmiert. So sehen wir wohl zum ersten Mal den echten Baron Hauptmann. Er ist groß, schlank und trägt kurzes, dunkelblondes Haar. Ohne zu zögern kommt er auf uns zu. Selbst als Despina ihn anschießt und verwundet, scheint er nicht beunruhigt zu sein. Stattdessen fixiert er Despina und setzt den von Sevchik beschriebenen Bösen Blick“ gegen sie ein, doch Despina widersteht.

Der Baron schleudert ein kleines Fläschchen auf den Boden und wendet sich von uns ab. Der Boden beginnt zu vibrieren, wir vermuten, dass er das Wesen aus dem Brunnen beschwört und ich beginne mit dem Rezitieren der eben erlernten Formeln.

Wir sind unschlüssig, wohin wir uns wenden sollen und fliehen zurück zum Geheimgang. Da das Grollen aber dort immer stärker wird, setzen wir dann doch zur Verfolgung des Barons an, der in einem Nebengebäude verschwunden ist.

Wir gelangen in ein Labor, Edward greift sich geistesgegenwärtig alles, was er tragen kann. Despina klettert derweil eine Leiter hoch und kann noch sehen, wieder Baron auf das Wesen steigt, das Vid getötet hat, und auf diesem in den Nachthimmel aufsteigt.

Flucht durch den Geheimgang

Ein kurzer Blick in den Burghof lässt uns weiter in das Gebäude flüchten. Wie ein Schwall ergießen sich die wiederauferstandenen Leichen aus den Katakomben aus dem Burgbrunnen. Ich konzentriere mich weiter auf die Formeln und hoffe, sie damit zu vertreiben.

Auf unserer Flucht finden wir einen Folterkeller, das letzte Opfer war ein britischer Offizier, sein Funkgerät ist noch angeschaltet und wir können noch einige Gesprächsfetzen verstehen. Ein Colonel Dorset wird gerufen und es wird alles für die kurz bevorstehende Landung vorbereitet.

Der einzige Ort, der sich zur Landung eines Flugzeuges eignen würde, ist der zugefrorene See, der zwischen Drovosna und Klausenburg liegt. Das Grollen hört plötzlich auf, ob durch Zufall oder das erfolgreiche Wirken der Zauberformeln, kann ich nicht sagen. Die Skelette befinden sich jetzt scheinbar alle auf dem Burghof, also stürzen wir über zurück zum Geheimgang. Angus kann gerade noch einem ungelenken Angriff ausweichen.

Auch in den Katakomben werden wir von zwei Skeletten angegriffen, können diese aber ausschalten. Wir fliehen weiter aus dem Gang ins Dorf, an den aufgebrachten Bewohnern vorbei und von da aus zum See. Dort sehen wir schon ein Flugzeug, ein Soldat winkt uns zu. Ich bin kurz misstrauisch, aber in Anbetracht der Umstände entscheiden wir uns für den Einstieg und heben ab.

Edward inspiziert noch kurz seine Beute aus der Burg, neben einigen Fläschchen mit goldener Flüssigkeit und der Aufschrift Herbst 1928“ hält er ein schweres, ledergebundenes Buch in den Händen: De Vermis Mysteriis.


Geschrieben von Molybdaen.

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