Die Bestie II: Die Burg #01

Die Auseinandersetzung mit dem Ding im Brunnen endete für Vitus und Henry mit einer Reihe offener Fragen und vor allem vielen Nachforschungen. Nachdem sich weitere Ansatzpunkte nicht so recht ergeben wollten, beschließt die Gruppe nun einen Ortswechsel vorzunehmen.

Aufzeichnungen von Angus Fergusson.

Am 04. Januar 1929 treffen wir uns morgens in der Hotellobby. Wir, das bedeutet in diesem Fall Henry Harris, Vitus Hartmann, Fanny Fowler, Howard Dowies und ich, Rose Morgan. Wir sind uns noch nicht in Gänze einig, wie wir weiter vorgehen wollen, also kauft Fanny zunächst einmal Rattengift in einer Apotheke, damit wir später die Kreatur im Brunnen vergiften können. Im Laufe des Abends positioniert sie ein mit Rattengift gefülltes Huhn auf dem Brunnen und die Kreatur holt sich dieses. Da Rattengift jedoch eine längere Einwirkzeit hat, können wir zu diesem Zeitpunkt noch keine Auswirkungen beobachten.

Mangels weiterer Anhaltspunkte in Boston beschließen wir, nach Siebenbürgen zu reisen und dort weiter dem Verdacht bezüglich des Baron Hauptmanns nachzugehen. Da jedoch nicht alle den weiten Weg auf sich nehmen können, wollen oder gar Freunde auf europäischem Boden haben, treffen sich einige von uns in folgender Konstellation am 20. Januar 1929 in Paris: Arthur Wilson, Edward Watkins, Despina von Bodenschwing und ein mir bekannter Student Angus Fergusson. Ich bleibe auf der anderen Seite des Atlantiks.

Angus Fergusson berichtet:

Wir schreiben den 20. Januar des Jahres 1929. In Paris treffe ich Arthur Wilson, Edward Watkins, Despina von Bodenschwing und Howard Dowies. Am 21. Januar beginnen wir unsere Fahrt mit dem Orient-Express in Richtung Siebenbürgen. Zu Beginn stellen wir fest, dass wir noch keine Ahnung davon haben, wo genau wir nach dem Baron Hauptmann suchen sollen. Beim Durchsuchen unserer bisher gesammelten Unterlagen, führten uns die Anhaltspunkte nach Klausenburg.

Dort kommen wir am 29. Januar an. Es handelt sich hierbei um eine Stadt an einem Fluss, welche von Teilen einer ehemaligen Stadtmauer umgeben ist und ihre ehemalige Pracht erkennen lassen.

Das Hotel Onix in der Septimus Albinos-Strasse scheint unserem Standard angemessen. Dort spricht man auch, zumindest ein wenig, die englische Sprache. Im restlichen Teil der Stadt und vermutlich auch im Lande wird Rumänisch, Ungarisch und Deutsch gesprochen. Bei letzterer Sprache ist Despina ein unglaublicher Gewinn. Nach dem Einchecken besorge ich einen Stadtplan und Aufzeichnungen über hiesigen Sehenswürdigkeiten. In Klausenburg und der Umgebung gibt es anscheinend unzählige Burgen, darunter auch viele deutsche. Der Tag geht zu Ende, nachdem alle außer Despina sich zu einer Kirche haben führen lassen. Diese ist zwar beeindruckend, bringt uns jedoch keine weiteren Informationen über den Aufenthalt des Baron Hauptmanns.

Am Morgen des 30. Januar stellt sich uns ein junger Mann als der Stadtführer vor, den wir gestern beim Hotelier haben anheuern lassen. Sein Name ist Yanneck. Wir beginnen den Tag mit einer kleinen Stadtführung. Zur Familie Hauptmann kann Yanneck leider nichts sagen. Doch die Bibliothek der Universität soll uns die Antworten auf unsere Fragen liefern: Wir bezahlen zunächst zwei Studenten mit einer für uns unbedeutenden Summe, damit sie für uns Nachforschungen in der Bibliothek anstellen, welche ja voll ist mit Büchern, die wir aufgrund sprachlicher Differenzen nicht lesen können. Die beiden Studenten sehen in dem Betrag offensichtlich einen großen Wert, sodass sie direkt noch zwölf weitere Studenten für die Recherche hinzuholen. Howard bezahlt einen weiteren Studenten, damit dieser die zusammengetragenen Informationen auf Englisch schriftlich übersetzt.

So erhalten wir die Informationen, die wir benötigen und stellen fest: Die Burg Hauptmann befindet sich bei einem Dorf namens Drowosna. Sie wurde im 13. Jahrhundert errichtet und seitdem gab es dort einige Vorfälle wie einen Heerführer, der die Burg belagerte, einige Tage später aber gänzlich blutleer aufgefunden wurde.

Wir planen also eine Fahrt mit einer Kutsche zu der Burg und am 31. Oktober brechen wir bei leichtem Schneefall auf nach Drowosna. Dort kommen wir bei Dämmerung an, sodass wir vor dem Besuch der Burg zunächst in einem Gasthof nächtigen müssen. Diese gehört einem Wirt von etwa 40 Jahren namens Radu Dobne. Eine junge und außerordentlich sehenswerte Dame namens Oana besorgt uns Schlüssel und wir beziehen die Zimmer. Als wir ihn später zu der Hauptmannsburg fragen, macht er das Kreuzzeichen und geht. Das Thema ist ihm sichtlich unangenehm.

Als wir ein Mahl zu uns nehmen, betreten drei Männer das Gasthaus, setzen sich weit in eine Ecke und werden recht zügig bedient, nachdem ein Mann mit großem goldenen Ohrring und Goldzahn Radu zügig zu sich gerufen hatte. Als sie fertig sind und das Gasthaus verlassen, erfahren wir, dass sie Diener des Barons seien. So nimmt der Abend seinen Lauf und das einzig interessante ist, dass auch Oana sich bekreuzigt und zügig verschwindet, nachdem Howard sie zum Baron befragt.

Am 02. Februar gehen wir nach dem Frühstück zur Kirche, um den Pastor Petru Kapreano aufzusuchen. Die Kirche ist von starken, etwa 2,5 Meter hohen Mauern umgeben. Die Steine scheinen recht verwittert. Wir finden den Pastor, welcher kein englisch spricht, dafür aber ein wenig deutsch. Er erzählt uns, dass es seit Jahren einen Vampir gibt, meint aber auch, dass es sich hierbei nicht um den Baron handelt, da er diesen schon in der Sonne habe spazieren sehen. Wir erfahren weiter, dass der Baron nur selten Besuch hat, zuletzt einen Engländer im letzten Herbst. Im Jahr 1880 gab es noch einen Besucher, welcher immer als der junge Herr Edward vorgestellt wurde. Mit 17 Jahren brach er mit dem Baron zu einer Reise auf, von welcher nur der Baron zurückgekehrt ist. Aus Büchern in der Kirche erfahren wir, dass es von 1546 bis 1552 eine Serie von Fällen von Vampirismus gegeben hat. Darüber hinaus erfahren wir nur, dass sich vor der Stadt ein kleines Lager von Zigeunern befindet.

Nachmittags brechen wir auf zur Burg. Dort angekommen erkennen wir an der Tür einen seltsamen Türklopfer, welcher aussieht wie ein Ziegenschädel mit gewundenen Hörnern. Edward untersucht jeweils die linke und die rechte Seite der Burg, kann aber keine weiteren Eingänge erkennen. Auch auf unser Klopfen an der Tür geschieht nichts, sodass wir mit beginnender Dämmerung beschließen, zum Gasthof zurückzukehren.

Im Dorf angekommen, geht Edward zu einem Schmied und kauft eine schwere Axt und einen Schürhaken. Wir beschließen, die Zigeuner aufzusuchen, Despina kommt jedoch nicht mit. Bei den Zigeunern treffen wir einen kleinwüchsigen jungen Mann und eine sehr alte Dame, welche uns sogleich nach dem Überreichen der Schmiedegüter zum Geschenk in den Wagen bittet. Der junge Mann heißt Vid und die alte Dame Serena. Vid geht unterdessen mit der Axt in den Wald. Serena schaut für uns in die Karten und zwei Male sieht sie sehr schlimme Dinge, als auch schon ein lauter Schrei aus dem Wald ertönt.

Wir rennen sofort heraus und sehen Vid, in der Luft schwebend, auf eine seltsame Weise nach hinten gebogen. Plötzlich bricht seine Wirbelsäule. Hinter ihm erkennt Edward etwas pulsierendes im Hintergrund. Es hat einen Durchmesser von knapp zwei Metern. Vid wird immer blasser und sinkt zu Boden. Das Wesen nimmt immer mehr Gestalt an und schwebt vor Edward. Von dem Ding geht eine wahnsinnige Kälte aus. Serena stürmt zu Vid und als sie kommt, entschwindet das Wesen in den Himmel. Ich versuche für Vid erste Hilfe zu leisten, schaff es jedoch nicht, sodass Vid endgültig verstirbt.

Wir gehen zurück zum Zigeunerwagen und schleifen Serena mit. Sie ist völlig aufgelöst. Edward geht schnell in das Dorf und holt den Pastor, welcher sich um Serena kümmert. Wir schaffen den Leichnam in die Kirche und um den Rest kümmert sich der Pastor. Unsere Vermutung ist, dass es sich bei dem Wesen um einen Vampir handelt. Wir beschließen, den Pastor am nächsten Morgen damit zu konfrontieren.

Schreibe einen Kommentar