Die Bestie II: Das Ding im Brunnen #02

Das letzte Mal auf der Spur Der Bestie endete für die Gruppe wieder mit einer Reihe von Fragen und losen Enden. Nachdem auch noch Verletzungen zum Aussetzungen einzelner Investigatoren führten, versuchen sich nun Vitus (Gerichtsmediziner) und Henry (Rechtsanwalt) an dem Rätsel, was Das Ding im Brunnen ist.

Aufzeichnungen von Vitus Hartmann.

Boston, 30.12.1928

Nachforschungen zu Alicia Livingstone

Unsere Mitstreiter sind teilweise verletzungsbedingt verhindert, so dass Henry und ich die weitere Untersuchung des Falls übernehmen.

Da wir Alicia Livingstone in Boston vermuten, beauftragen wir eine Detektei, in den Luxushotels der Stadt nach ihr zu suchen. Diese Dienstleistung kostet uns $ 3,000 (-> später absetzbar?). Wir werden am 2. Januar mit ersten Ergebnissen rechnen können.

Die Familiengruft der Familie Cornwallis

Henry und ich fahren unterdessen zur Familiengruft der Cornwallis‘ auf dem South End Burying Ground (ehemals All Hearts Cemetary). Die lateinische Inschrift auf der Gruft lautet übersetzt: Vom Vater auf den Sohn, vom Vater auf den Sohn usw.

Um die Gruft untersuchen zu können, überzeugen wir den Friedhofswärter davon, dass wir von offizieller Stelle mit der Überprüfung der korrekten Sargausrichtung beauftragt worden wären.
In der Gruft stehen ca. 20 steinerne Sarkophage, in denen laut der Inschriften auch Dr. Ambrose Cornwallis, seine Frau Emily und der angeblich totgeborene Sohn Jeremy bestattet sind.
Als ich in einem unbeobachteten Moment den Deckel von Jeremys Sarg beiseite schiebe, finden sich dort nur ein Haufen Steine, vom Kinderleichnam fehlt jede Spur. Das untermauert unsere Theorie, dass Jeremy nicht tot ist und immer noch von seiner Tante Sarah Cornwallis versorgt wird.

Zusammenfassung unserer Ermittlungen

Wir recherchieren in der örtlichen Bibliothek noch einmal detailliert nach Baron Hauptmann, der Familie Chandler und der Familie Cornwallis. Zurück im Hotel sortieren Henry und ich die Fakten.

Familie Chandler: Trotz des Hinweises von Hauptmann auf den besonderen Stammbaum, finden wir dazu nichts weiter. Der 1880 geborene Edward Chandler soll das „Verheißene Kind“ sein. Seine Eltern geben ihn nach einer Abmachung mit Baron Hauptmann 1890 in die Obhut von Dr. Cornwallis, der ihn dann nach Europa zu Hauptmann schickt, wo er bis zu seinem 18. Geburtstag bleibt. Danach kehrt Edward zurück, studiert und übernimmt schließlich die Firma seines Vaters. Er macht Karriere und ist allgemein hoch angesehen und erfolgreich.

Baron Hauptmann: Stammt aus Klausenburg, Transsylvanien. Die Familienburg Hauptmann wird das erste Mal im 13. Jahrhundert erwähnt. Der Freiherr war mit den Mongolen verfeindet, konnte diese aber zurückdrängen. Ende des 14. Jahrhunderts wurde die Burg von den Osmanen belagert. Nachdem deren Anführer in seinem Zelt ermordet worden war, wurde die Belagerung jedoch aufgegeben. Der Burgherr wurde viele Jahre nicht mehr gesehen und schließlich erhob ein selbsterklärter Nachfahre Ansprüche auf die Burg.

„Uralte Bruderschaft“ = „Die Häuter“ = “Dunkler Kult“?

Der jetzige Baron Hauptmann ist Anführer der „Uralten Bruderschaft“. Gibt es eine Verbindung zwischen ihm und Vlad III., der in den Tagebüchern des Janitscharen Konstantin erwähnt wird? Denn Vlad III. kämpfte im 15. Jahrhundert gegen die Osmanen und Hauptmanns Vorfahr könnte ein Gefolgsmann oder Verbündeter gewesen sein. Damit könnte es sich bei der „Uralten Bruderschaft“ um die uns bereits bekannten „Häuter“ handeln, die ihren Namen aufgrund eines auf Menschenhaut verfassten Manuskriptes bekamen. Martha schickt uns aus Alexandria weitere Details zur Kriegsführung Vlad III. aus dem Tagebuch des Janitscharen: Die Opfer von Vlad III. und seiner Armee seien teilweise ohne Herz und komplett blutleer aufgefunden worden. Auch gab es aus Ägypten Hinweise, dass dort schon in der 6. Dynastie ein uralter, dunkler Kult existiert habe. Sollte es sich bei der Uralten Bruderschaft, den Häutern und dem Dunklen Kult um dieselbe Gemeinschaft handeln? Dann bliebe die Frage, was genau das Ziel der Kultisten ist?

Familie Cornwallis: Alteingesessene Familie aus Boston, es finden sich Hinweise, dass sowohl Ambrose als auch Emily Mitglieder eines Kultes waren („Uralte Bruderschaft“). 1890 gibt es einen nicht näher beschriebenen Zwischenfall mit Emily und den Augengläsern von Hauptmann, vermutlich ist sie zu diesem Zeitpunkt bereits schwanger. Am 03.07.1891 wird der gemeinsame Sohn Jeremy angeblich tot geboren. Ambrose und Emily werden am 16.09.1891 ermordet. In den folgenden zwei Wochen werden drei Kinderleichen in der Umgebung ihres Hauses gefunden.

-> Theorie

Wir sind überzeugt, dass Jeremy lebt und aufgrund des Unfalls mit den Augengläsern nicht menschlicher Gestalt ist. Nachdem seine Eltern ermordet wurden (von wem, vielleicht von Sarah?), beginnt er sich von den Kindern in der Nachbarschaft zu ernähren. Sarah übernimmt die „Pflege“ und versorgt Jeremy mit Hühnern. Seitdem ist es zu keinem weiteren Mord mehr gekommen. In den letzten Wochen hatte Sarah mehrfach die Fütterung vergessen, wie wir anhand der verwesenden Hühner in der Küche festgestellt haben. Unsere Visionen von verstümmelten Kindern waren eine Warnung, dass sich Jeremy demnächst vom Hunger getrieben wieder menschliche Opfer suchen wird.

Kurzfristige und langfristige Planung

Baron Hauptmann scheint eine Schlüsselfigur zu sein, es ist daher wohl unumgänglich, seine Burg in Transsylvanien aufzusuchen, um den Plänen der Bruderschaft auf den Grund zu gehen.

Doch zunächst erscheint uns die Gefahr durch Jeremy akut und sofortiges Handeln ist nötig. Paul LeMond sprach in seiner Vision vom 1. Januar 1929, so dass wir beschließen, dem Wesen aufzulauern und es im günstigsten Fall auch zu töten.

Das Ding im Brunnen

In der Silvesternacht rüsten wir uns mit Henrys Schrotflinte und besorgen uns Suppenhühner, um das Wesen anzulocken. Dann verstecken wir uns im Garten des Anwesens und warten ab. Um 18.30 Uhr kommt Sarah Cornwallis aus dem Haus, sie geht murmelnd zum Brunnen und legt dort ein Huhn auf den Steinrand. Dann geht sie zurück ins Haus.

Um 19.17 Uhr beobachte ich durch mein Fernglas, wie sich ein feines, helles Gespinst zwischen den Steinen des zugeschütteten Brunnens nach oben bewegt, bis sich schließlich ein etwa 1m breiter, gallertartiger Klumpen über dem Brunnen gebildet hat. Das Wesen verleibt sich das Huhn ein und verschwindet dann wieder im Brunnen.

Wir platzieren ein weiteres Huhn am Brunnen und warten ab. Diesmal schaut Henry durch das Fernglas. Wieder erscheint das bleiche Wesen und holt sich das Huhn. Henry meint, ein Gesicht in dem Klumpen auszumachen, das entfernt wie ein Säugling aussieht. Sarah hatte erwähnt, dass Jeremy doch „eigentlich immer noch ein Baby“ sei. Wir sind uns nun sicher, dass dieses Geschöpf Jeremy sein muss.

Henry möchte die laute Silvesternacht nutzen, um das Wesen anzugreifen. Ich halte das für keine gute Idee, da ich nicht glaube, dass man dem Wesen mit einer Schrotflinte beikommen kann. Also machen wir uns auf die Suche nach etwas Brennbarem, können aber außer ein paar Streichhölzern nichts finden.

Als wir zum Anwesen zurückkehren, um die Tüte mit den restlichen Hühnern zu holen, ist diese verschwunden. Wir können in der Dunkelheit nicht sehen, ob es Spuren gibt, die auf Sarah hinweisen. So kehren wir unverrichteter Dinge ins Hotel zurück. Henry ist frustriert, aber ich denke, es war eine kluge Entscheidung, das Wesen zunächst zu beobachten und kein Risiko einzugehen.
So begeben wir uns am 1. Januar nochmals abends zum Anwesen, diesmal mit Benzin und weiteren Hühnern ausgerüstet. Sarah kommt wieder aus dem Haus und platziert ein Hühnchen am Brunnen. Doch wir warten vergebens, das Wesen erscheint nicht. Wir mutmaßen, dass es sich gestern so viele Hühner einverleibt hat, dass es nun keinen Hunger mehr hat. Damit wären die Nachbarskinder zumindest in nächster Zeit sicher.

Alicia Livingstone/Silverstone

Am 2. Januar erfahren wir von der Detektei, dass sich gestern eine Dame namens Alicia Silverstone in einer der beiden Suiten im Luxushotel Lennox einquartiert hat. Sie ist direkt aus Ägypten angereist, somit sind wir uns recht sicher, dass es sich um Miss Livingstone handelt.

Henry benachrichtigt seinen Freund Edward Watkins, der sich durch den Bediensteteneingang ins Hotel schleichen kann. Dort verkleidet er sich als Page und klopft an Miss Silverstones Tür. Er beschreibt die Frau als Weiße, sie sei groß, schlank, blond und attraktiv. Von uns Dreien hat sie keiner vorher gesehen, wir meinen uns aber an eine Beschreibung zu erinnern, laut derer sie südländisch, wenn nicht sogar orientalisch aussieht. Henry überlegt, ob sie eine Art Gestaltwandler sein könnte, denn es finden sich in der Suite auch keine Hinweise auf Perücken oder Ähnliches. Alicia verlässt die Suite kurz darauf und Edward kann unbemerkt einbrechen. Außer diversen Luxusartikeln findet er einen Notizzettel mit folgenden Hinweisen:

  • Adresse des Geschäftsgebäudes der New World Inc. in Boston
  • Den Namen „Melly Hilten“ mit dem Hinweis „ungeeignet“
  • Dan Namen „Turner“ mit dem Hinweis „gutgläubiger Trottel“
  • „Englischer Strohmann???“
  • „Muss Einrichtung in Kairo finanzieren, NICHT Alexandria“
  • Diverse ägyptische Hieroglyphen, die laut einem Experten im Museum jedoch in dieser Anordnung keinerlei Sinn ergeben, sondern lediglich Kritzeleien sind

Livingstones Kontaktpersonen bei der New World Inc.

Am 3. Januar suchen wir das Büro der NWI auf und fragen nach einem Termin mit Melly Hilten. Die Empfangsdame kann uns erst am 9. Januar einen Termin mit ihr zusagen, aber Mr. Turner ist noch schwerer zu treffen. Laut des im Flur hängenden Organigramms ist Mr. Turner der Geschäftsführer der hiesigen Niederlassung. Sein Foto zeigt einen breit lächelnden, charismatischen Mann mittleren Alters. Wir mutmaßen, dass Miss Livingstone ihn für ihre Zwecke einspannen will, ähnlich wie sie das wohl schon mit Colonel Cotton getan hat.


Geschrieben von Molybdaen.

Schreibe einen Kommentar