Sie haben Ihr Ziel erreicht!

Zwischen der Bestie bleibt ab und zu noch Zeit für einen auflockernden One-Shot. Diesmal treffen die Charaktere in Sie haben Ihr Ziel erreicht! unter ungeklärten Umständen auf einer abgeschiedenen Waldlichtung aufeinander. Dies ist umso mysteriöser, als dass doch jeder einen anderen Zielort im Navi hatte … aber es soll nicht bei diesem einen Rätsel bleiben!

Es ist spät geworden auf der Rückfahrt von Lübeck nach Hamburg. Ich hatte Marvin endlich die Cat-A-Woman 5. Edition Silver Fighting, im Jahr 2016 schon fast eine Antiquität, abschwatzen können und wollte den Handel schnell abwickeln, bevor er es sich noch anders überlegt.

Nachdem mich im Tunnel ein LKW fast schneidet, biege ich in eine Ausfahrt ein, die mir mein Navi auch als Wegstrecke anzeigt. Über eine Landstraße und einen Waldweg führt mich das Navi zu einer Lichtung, auf der urplötzlich der Motor meines VW-Busses versagt und auch nicht wieder anspringt. Drei weitere Gestrandete scheinen hier gerade erst angekommen zu sein; der ein bisschen zu smarte Motorradfahrer Jürgen Fuchs, der sensible und belesene Levi Riedesel und der leicht unbeholfen wirkende Klaus Gerber. Auch ihre – unterschiedlichen – Navis haben sie hierher geführt, auch ihre Fahrzeuge versagten hier ihren Dienst – nur können wir uns über das genau Datum nicht einigen.

Die Lichtung ist eine Sackgasse, gesäumt von eng beisammen stehenden Bäumen. Auf der Lichtung sind einige von Schlingpflanzen überwucherte kleine Hügel zu sehen. Als wir diese untersuchen, finden wir weitere Fahrzeuge – und auch die Leiche einer Motorradfahrerin, die ganz offensichtlich an einem Kopfschuss gestorben ist.

In einem Auto finden wir eine Schrotflinte, mehrere Taschenlampen und zwei Funkgeräte, die wir unter uns aufteilen.

Wir machen uns also mangels Alternativen zu Fuß auf den Rückweg. Levi fällt auf, dass die Streckenpfosten nur ganz schlichte weiße Blöcke zu sein scheinen. Zunächst biegen wir rechts auf die Landstraße ab, dort existiert auch ein Tunneleingang, von dem ich aber sicher bin, dass es nicht der war, durch den wir gekommen sind. Nach einigem Hin und Her kann ich die anderen überzeugen, der Landstraße in die andere Richtung zu folgen. Auf dem Weg werden wir beinahe von einem LKW mit der Aufschrift “25 Jahre Spedition Henkelbach 1977-2002” überfahren, der an uns ungebremst vorbeibraust. Kurz darauf entdecken wir wieder einen mit Schlingpflanzen überwucherten Hügel am Straßenrand. Dort verbirgt sich die Leiche eines Mannes, der dem Anschein nach erst vor kurzem durch einen starken Aufprall verstorben ist. Um ihn herum sind seltsamerweise keine Blutspuren im Gras zu sehen.

Nach kurzem Fußmarsch erreichen wir ein von einer Hügelkette umsäumtes Tal mit einer Tankstelle und einigen Wohnhäusern. Erleichtert suchen wir die Tankstelle auf und bitten dort den Tankwart um Hilfe. Dieser aber benimmt sich höchst seltsam, ebenso wie die andere Person hier, die Verkäuferin im Shop. Beide scheinen nur über ein sehr begrenztes Handlungs- und Gesprächsrepertoire zu verfügen. Nur die Zapfsäule für Diesel ist benutzbar, die anderen Zapfsäulen wirken wie angemalte Holzkästen. Ebenso sind einige Waren im Shop scheinbar nur Staffage, eine Motorradzeitschrift von 2002 enthält zwar ein Deckblatt, aber im Inneren nur weiße Seiten.

Der Laster hält an der Tankstelle. Der Fahrer, mit Hut und Trenchcoat gekleidet, steigt aus. Er hat klauenähnliche Hände und sein Gesicht zeigt wolfsähnliche Züge, ihm entströmt ein ekelhafter Geruch von verwesendem Fleisch. Wir durchsuchen die Fahrerkabine, während er sich im Shop aufhält – nichts. Außen am Laster fällt uns auf, dass eine Flüssigkeit ausläuft, die der Mechaniker aber, auch darauf angesprochen, ignoriert. Nachdem der Fahrer sich Getränke und weiße Moosröschen gekauft hat, fährt er mit seinem Laster weiter.

Klaus erwirbt ebenfalls eine Cola und erhält einen Bon aus dem Jahr 2002. Levi schaut hinter die Tankstelle, die rückseits aussieht wie angemalt. Er findet ein schwarzes Loch im Boden, das ihn magisch anzieht, er kann sich dem Sog nur knapp und merklich angeschlagen entziehen. Jürgen versucht, an der Tankstelle ein Feuer zu legen, was ihm aber günstigerweise misslingt, da sich Levi vorerst nicht mehr aus dem Shop traut.

Nach dem gescheiterten Brandstiftungsversuch wandert Jürgen alleine zu den Häusern und trifft dort nach dem Ortsschild “Lohmar – Rhein-Sieg-Kreis” auf ein besonders detailliertes Haus, vor dem ein Kind spielt und in dem eine Frau das Abendessen zubereitet. Auf dem Türschild steht “Familie Taischer”. Die Frau ist die Ehefrau des Lastwagenfahrers, wie sich in einem Gespräch herausstellt; er käme gleich zum Abendbrot. Der Laster fährt vorbei, hupt. Sie hält kurz inne, wirft das Essen in den Müll, stellt die dreckigen Töpfe zurück in den Schrank und fängt von vorne an zu kochen.

Draußen auf dem Feld erscheint ein fahles Leuchten, das vorher nicht da war. Wir sammeln uns und gehen gemeinsam auf das Leuchten zu, das von einem Friedhof ausstrahlt. Mehrere Grabsteine sind um einen mittigen Grabstein gruppiert; der des Günther Taischer, gestorben am 24.11.2002. Aus der Erde kriechen sechs Ghule, die unsere Überraschung ausnutzen, um ein Gespräch mit uns anzufangen. Sie bitten uns, Günther Taischer aufzuhalten, sonst seien wir hier für immer gefangen. Sie warnen uns; wenn dies geschehen sei, müssten wir uns beeilen, von hier fortzukommen.

Wir kehren zur Tankstelle zurück, wo wir auf den Laster warten. Als dieser erscheint und Günther aussteigt, konfrontieren wir ihn mit seinem Spiegelbild. Er wirkt zwar mächtig erschüttert, aber noch nicht vollends überzeugt, also zeige ich ihm den Defekt an seinem Fahrzeug. Er begreift, die Ghule begrüßen ihn in ihrer Mitte – und die ganze Traumwelt beginnt sich aufzulösen.

Wir nehmen eingedenk der Warnung der Ghule die Beine in die Hand und laufen flugs zum Tunnel.

Auf einer Raststätte kommen wir wieder zu uns …


Geschrieben von Pea.

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