Dockside Dogs

Vor Kurzem schlüpfte unsere Spielrunde in die Rolle von abgebrühten Gangstern und verbrachte einen Abend lang in diesem abgeschiedenen Lagerhaus zusammen mit der Beute, einem Haufen Waffen und jeder Menge Adrenalin. Was kann da schon schiefgehen? Vorhang auf für die Dockside Dogs …

Bongiurno, mein Name war Purple, Mr. Purple.

Ich wandele nicht mehr auf der uns bekannten Erde. Ich erzähle dir meine Geschichte aus dem fernen, wunderbaren Carcosa; die Geschichte, wie ich hierhergelangte.


Wir drehten zusammen ein Ding für unseren Boss, den King. Wir waren beauftragt, eine Kiste zu stehlen und uns anschließend in einem Lagerhaus zu treffen, wo uns um Mitternacht ein Typ mit einem Boot abholen sollte. Klare Ansage an uns war, die Kiste nicht zu öffnen. Außerdem fand noch parallel irgendwo eine andere Aktion mit anderen Kollegen statt, was uns aber nicht zu kümmern hätte. Meinetwegen. Das dem Boss nicht langsam die Farben ausgehen …

Nun zur Sache. Mr. Red ist bei dem Diebstahl panisch geworden, als plötzlich die Polizei auftauchte, und abgehauen. Mr. Black wurde von der Polizei erschossen. So blieben nur ich, Mr. Green (ein zäher alter Knochen), Mr. Beige (ebenso) und Mr. Silver (Jungspund), die im Lagerhaus aufeinandertrafen. Ein Mr. Grey tauchte dort ebenfalls auf, der Assistent vom Boss war ein echt schweigsamer Hund, der die ganze Zeit irgendwas auf sein Klemmbrett kritzelte.

Uns passierten in dem Lagerhaus seltsame Dinge. Mehrmals flog die Sicherung raus, so dass wir im Dunkeln standen. Diese Gelegenheiten versuchte Mr. Beige regelmäßig zu nutzen, um die Kiste zu öffnen. Ich behielt ihn aber immer im Blick. Hätte er mich nicht damals im Knast gedeckt, ich hätte ihn wohl hier umgelegt. Die Ansage vom Boss war ja wohl klar genug.

Dann meinten einige von uns alles mögliche zu sehen; ein Baby, ein Kind, Penner, Katzen, bunt gekleidete Leute auf nem Boot. Ich hab schon gedacht, uns hat jemand was in die hochprozentige Verpflegung geschüttet, die der Boss im Lagerhaus für uns bereit hielt. Auch ich blieb nicht von den Halluzinationen verschont; ich sah aus dem Nichts eine Katze fauchen, während die anderen Stoptanz gespielt haben. Nach ein paar Sekunden war alles wieder normal.

Dieser Grey-Typ antwortete auf all unsere Fragen nicht, als wir uns in einem gemeinsamen Flashback daran erinnerten, dass Mr. Grey bei der Vorbesprechung vom Boss gar nicht dabei war. Als wir ihn nach dieser Erkenntnis überwältigten, fühlte der Kerl sich kalt und irgendwie gummiartig an. Echt ekelhaft. Später war der dann plötzlich einfach weg. Obwohl ich hinten immer wieder die Tür abschloss und den vorderen Eingang im Blick hatte, spazierten Leute und Katzen einfach so ein und aus.

Da die Polizei bei dem Überfall sehr schnell auftauchte, lag der Verdacht nahe, dass einer von uns ein Verräter war. In der Küche vom Lagerhaus war zudem so ein seltsames Graffiti, dass in jedem von uns ein Cop wohnt. Als das zur Sprache kam, klopfte es plötzlich aus dem Kofferraum von Mr. Beige. Der hatte ein kleines Präsent mit, einen Cop. Der Cop war nicht so kooperativ, uns den Verräter freiwillig zu zeigen, erkannte aber ganz offensichtlich Mr. Green wieder. Mr. Green behauptete, das der Cop sein Schwager sei, verstrickte sich dabei aber so in Widersprüche, dass wir ihm kein Wort glaubten. Ansonsten war der Cop nicht nützlich und musste beseitigt werden. Da Mr. Beige ihn mitgebracht hatte, kümmerte er sich auch um die Entsorgung. Das fand aber Mr. Green gar nicht gut und erschoss Mr. Beige.

Plötzlich tauchte so ein Irrer aus dem Nichts auf, der gut gelaunt daherspazierte und irgendwas von “spannend” und “kann kaum erwarten wie es weitergeht” faselte. Bevor wir aus dem Typ aber etwas Nützliches rauspressen konnten, erschien so ein Typ im gelben Ölzeug, um uns im Boot mit über die Bucht zu nehmen.

Und da sind wir mit.
Und nun bin ich hier.
Im wunderbaren fernen Carcosa …


Geschrieben von Pea.

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