Die Bestie I: Guy Fawkes’ Erben #01

Eine Nachricht von Irene LeMond lässt die Investigatoren grübeln und zusammen mit einem alten Bekannten treten sie die Reise über den Atlantik in Richtung London an. Dort wollen sie eine Gruppe von Personen warnen, die in akuter Lebensgefahr zu schweben scheinen. Aufzeichnungen von Martha Greenwood, Oktober 1928.

Paul LeMonds Visionen

Mein guter Freund Vitus berichtete mir von einem Albtraum, in dem er ein brennendes Haus gesehen habe. Offenbar gibt es eine Verbindung zu der Séance im Tannerhill House, denn auch Fanny Fowler, eine seiner Mitstreiterinnen bei diesem Abenteuer, berichtete von einem ganz ähnlichen Albtraum. Das Medium, das damals die Séance leitete, ein talentierter junger Mann namens Paul LeMond, schickte Fanny außerdem eine Tonaufzeichnung, in der man ihn im Schlaf ebenfalls von einem Feuer reden hört. Allerdings spricht er von einem brennenden London und seine Worte kommen einem merkwürdig bekannt vor, als stammten sie aus einer Art Lied oder Gedicht.

Was die Sache nun aber wirklich bemerkenswert macht, ist die Tatsache, dass in genau derselben Nacht, in der die Albträume stattfanden, in London ein Brandanschlag auf das Haus eines Unterhausabgeordneten namens Terrence Datler verübt wurde, welcher dabei ums Leben kam.

Kurz darauf erreicht Vitus und seine Gruppe der Anruf von Mr. Carrington, dem Eigentümer von Tannerhill House. Auch er hatte denselben Albtraum und schlägt nun vor, gemeinsam nach London zu reisen, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Motiv für den Brandanschlag

Laut Zeitungsartikeln hat sich eine anarchistische Gruppierung aus dem Arbeiterviertel zu der Tat bekannt, die sich selbst die „Tooting Sons of Terror“ nennen. Sie protestieren damit gegen die für den 5. November geplante Konferenz „Weapons to end war“, auf der über neue Waffensysteme gesprochen werden soll, die die Gräuel des Großen Krieges zukünftig verhindern könnten. Auch wenn ich die Vorgehensweise der Gruppe nicht gutheiße, kann ich die Gründe gut verstehen. Aufrüstung zur Kriegsvermeidung scheint mir kein geeigneter Weg.

Neben dem getöteten Mr. Datler sind zwei andere Abgeordnete maßgeblich an der Konferenz beteiligt: Sir Reginald Dawe und Arthur Branstone. Beide scheinen uns in akuter Lebensgefahr. Allerdings ist uns noch nicht recht klar, wie wir vorgehen sollen. Die Beiden werden wohl kaum auf uns hören, wenn unser einziges Argument ist, dass ein paar von uns schlecht geträumt haben.

Neue Allianzen auf dem Weg nach London

Da Vitus aufgrund des Manhattan Beer Wars zurzeit kaum eine freie Minute hat, bittet er mich, an seiner Stelle nach London zu reisen. Dem komme ich natürlich nur allzu gern nach. Auch die übrigen Mitglieder der Tannerhill House-Gruppe schicken ihre Vertrauten, und so macht sich am 26.10.1928 eine recht bunte Truppe auf den Weg.

  • Despina von Bodenschwing: Gräfin und soeben aus Indien zurückgekehrt, wo sie mit Jeevan vergeblich das Geheimnis eines alten Tempels zu enträtseln versuchte.
  • Philip Arthur: Eine Art Geschäftsmann, der ebenfalls an der Indienexpedition teilgenommen hat und dem Anschein nach gewohnt ist, andere die Arbeit machen zu lassen.
  • Howard Dowies: Er sagt, er sei Taxifahrer oder etwas in der Art. Auf jeden Fall nimmt er sein Motorrad mit und scheint eher ein Einzelgänger zu sein.
  • Isaac Baker: Detektiv? Ebenso wie Howard scheint er nicht viel von der piekfeinen High Society zu halten. Wer könnte ihm das verübeln?

Ankunft in London

Am 31.10. erreichen wir London und beziehen im zentral gelegenen Hilton Quartier. Beim Dinner diskutieren wir unsere weitere Vorgehensweise. Wir beschließen, uns aufzuteilen. Philip und Despina wollen ein Treffen mit den beiden Abgeordneten Dawe und Branstone organisieren. Sie schaffen es, mit beiden am 3. November einen Termin zu vereinbaren.

Howard und Isaac begeben sich getrennt voneinander in den Stadtteil Tooting, um Nachforschungen zu der ominösen Terrorgruppe anzustellen. Howard berichtet später, dass er in einer Werkstatt erfahren habe, dass die T.S.o.T. bei den Bewohnern einen recht guten Ruf hat. Ihr Anführer ist ein gewisser Matthew Tyler, man kann ihn häufig in einem der Pubs treffen. Howard macht sich auf die Suche und findet einen Mann, der sich als der Gründer der „Tooting Revolution Party“ bezeichnet, der Vorgängerorganisation der T.S.o.T. Er sagt, er sei mit der Entwicklung nicht einverstanden und gibt die Schuld für die gewaltsamen Aktionen Matthew sowie seiner Freundin Lilian Troy. Er gibt Howard den Tipp, dass sich die Mitglieder der T.S.o.T. in einer alten Kinderwagenfabrik treffen würden.

Ich mache mich ins Zeitungsarchiv auf, um mehr über etwaige Brandanschläge, die Kriegskonferenz und die T.S.o.T herauszufinden. Zu dem Brandanschlag lässt sich nicht viel mehr finden, die Behörden scheinen sehr zurückhaltend mit jeglichen Informationen zu sein. Die Konferenz „Weapons to end war“ findet unter Einbeziehung des Verteidigungsministeriums statt und wird als sehr wichtig angesehen, Wissenschaftler, Forscher und Erfinder sollen sich über mögliche Waffen und moderne Kriegsführung austauschen. Es ist auch die Rede von der sogenannten „Kernspaltung“.

Über die Sons of Terror lässt sich bei den größeren Zeitungen nichts finden, ich mache mich also auf den Weg zu den Lokalblättern und finde mich schließlich in einem kleinen Laden wieder, der Pamphlete jeglicher Couleur verkauft: Kampfschriften von Anarchisten, Faschisten und Kommunisten. Ein rothaariger Mann, der sich als Mickey Mahoney vorstellt, fragt mich ganz unverblümt, was ich suchen würde. Er ist Journalist beim Scoop Magazine, Ich verabrede mit ihm ein Treffen um 17 Uhr, da er eventuell Informationen zum Brandanschlag hat.

Leider erweist sich dieser Kontakt als nicht sehr ergiebig. Der ca. 40jährige Mahoney scheint ein Sensationsjäger zu sein, der sich die Geschichten für sein Revolverblatt selbst zusammenreimt. Neben einem Artikel über einen Katzen fressenden Feuersalamander nehme ich aus dem Treffen lediglich den Hinweis mit, dass das Feuer in dem einstöckigen Gebäude des Abgeordneten offenbar mit großer Geschwindigkeit um sich gegriffen hat, und zwar in beiden Etagen gleichzeitig.

Zurück im Hotel

Um 18 Uhr treffen wir uns alle wieder im Hotel und tauschen uns aus. Mr. Carrington erscheint in Begleitung von Nadim el Yassif, der für die Penhue-Stiftung arbeitet und bereits seit 1902 in London lebt. Mr. Yassif ist ein wahrer Kenner der altägyptischen Kultur, was für eine Freude, einen so interessanten Gesprächspartner zu treffen!

Das abgebrannte Haus

Wir brechen nachts noch einmal auf, um uns das Haus des ermordeten Abgeordneten in Chelsea anzusehen. Es steht nur noch das steinerne Skelett, alles andere ist bis zur Unkenntlichkeit verkohlt. Isaac gelingt es mit einer Leiter, einen Blick in das marode Obergeschoss zu werfen. Er entdeckt, dass offenbar etwas von außen in die Steinwand eingeschlagen ist. Die Hitzeentwicklung war so stark, dass die Ziegel geschmolzen sind. So hohe Temperaturen werden nicht durch einen normalen Wohnungsbrand erreicht, wir stehen vor einem Rätsel. Hat jemand mit einer Art Waffe auf das Haus geschossen? Despina murmelt etwas von einem Meteoriten, was uns zunächst als sehr abwegig vorkommt.

Die Nachbarn wissen mehr

Am nächsten Tag schlendern Philip und Despina noch einmal an dem Haus vorbei in der Hoffnung, bei Tageslicht noch etwas mehr herauszufinden.
Sie treffen auf den Nachbarn des toten Mr. Datler, einen alten Soldaten, der schnell zu Philip Vertrauen fasst und die Beiden zu seiner Frau bringt, die wiederum auf ihre Bekannte Mrs. Stuart verweist. Von ihr erfahren Despina und Philip, dass Mr. Datler in der Tat noch aus dem Haus herausgekommen sei und da auch noch nicht von den Flammen erfasst worden war. Sie beschreibt eine Art „Sternschnuppe“ oder „Meteorit“, die hinter dem Mann her gerast sei und ihn schließlich in Brand gesetzt habe. Das passt zu Despinas ursprünglich etwas sonderbar anmutender Theorie, dass ein Meteorit in das erste Stockwerk eingeschlagen sein könnte.

Der große Brand von London

Endlich kommt Philip auch dahinter, weshalb uns LeMonds Traumäußerungen so bekannt vorkamen. Er zitiert ein altes Lied über den großen Brand von London im Jahre 1666. Kurz zuvor hatte Guy Fawkes den Plan gefasst, das Parlament in die Luft zu sprengen und zu diesem Zweck riesige Mengen an Dynamit unter dem Gebäude platziert. Doch obwohl sein Anschlag vereitelt werden konnte und Fawkes hingerichtet wurde, fiel das Parlament ein paar Tage später einem Brand zum Opfer. Es kann kein Zufall sein, dass der Jahrestag des missglückten Anschlags am 5. November ist!

Das Versteck der Tooting Sons of Terror

Howard begibt sich abends wieder nach Tooting und beobachtet die Kinderwagenfabrik, in der sich die T.S.o.T. treffen sollen. Und tatsächlich sieht er eine Gruppe junger Männer in offenkundiger Feierlaune, die in das Gebäude gehen. Einige Zeit später betritt eine weitere Person das Haus. Howar berichtet uns von einem Lichtschein auf dem Dach, der wie eine Sternschnuppe in den Himmel aufsteigt und dann verschwindet.

Am nächsten Morgen erreicht uns die Nachricht vom Tod des Abgeordneten Sir Dawe. Er und seine ganze Familie wurden Opfer eines Brandes. Aber jetzt wissen wir, wo dieses Unheil seine Wurzeln hat und können es bekämpfen!


Geschrieben von Molybdaen.

Schreibe einen Kommentar