Die Bestie I: Das Heiligtum #02

Nachdem die kleine Investigatorengruppe ihre Nachforschungen kurzzeitig pausieren musste, geht es nun mit großer Verstärkung in die zweite Runde. Ob die Bemühungen im Dschungel von Indien erfolgreicher sein werden, beschreibt ein Brief vom Großwildjäger Jeevan Singh an seine alte Bekannte Martha Greenwood.

Verehrte Martha,

seien Sie bedankt für den neuen Schläger, ich bin leider noch nicht dazu gekommen, ihn auszuprobieren. Sie hatten mich gebeten, Sie über sonderbare Begebenheiten zu unterrichten, und ich denke, diese hier könnte Sie interessieren.

Recht kurzfristig bin ich von einer Gruppe Europäer angeheuert worden, die irgendeine Grundstücksstreitigkeit klären wollten. Der Besitzer des fraglichen Hauses ist ein Guru namens Rhon Paku, der mit seinen Anhängern außerhalb von Jaipur einen alten Tempel bewohnt.

Zwei der Europäer, eine adlige Dame aus Deutschland namens Despina von Bodenschwing (sie erinnerte mich ein wenig an Sie) und ein Brite namens Philip Arthur, hatten bereits versucht, zum Guru vorzudringen, waren dabei aber erfolglos geblieben. So haben sie sich Unterstützung geholt: die zwei Herren Agnus Fergusson und Arthur Wilson. Mr. Fergusson scheint eine Art Tempelforscher zu sein, was der andere macht, kann ich nicht genau sagen. Ich war wie üblich für die Ausrüstung zuständig.

Wir sind also zum Tempel aufgebrochen und haben mit einer gewissen Augusta gesprochen, Tochter eines britischen Offiziers, die den Guru in allen Dingen vertritt. Mr. Arthur hat sie zu überzeugen versucht, ihn zum Guru zu lassen. Er erzählte eine recht wilde Geschichte, er sei ein alter Freund des Gurus. Sie hat uns dann eine Woche warten lassen und erneut weder ein Treffen mit Rhon Paku noch einen Verkauf der Hütte zugelassen.

Die Sekte hat recht viele weiße Mitglieder, die immer wieder etwas vom „transzendenten Weltfrieden“ erzählen, sagt Ihnen das was? Ich halte diese Menschen ja alle für ziemlich verwirrt, vermutlich vertragen sie das Klima nicht. Ihr Alltag besteht aus einer recht strengen Routine aus Arbeit, Beten und Meditation. Auch ein paar Chinesen scheinen zur Sekte zu gehören, wir sahen zumindest zwei, die gelegentlich das Lager überwachten.

Die Lady von Bodenschwing schaffte es trotzdem, einen Blick in den Tempel zu werfen. Aber außer Weihrauchgeruch und einer leeren Halle mit drei weiteren Ausgängen konnte sie nichts sehen.

Mittlerweile zweifelten wir daran, ob es den Guru tatsächlich gibt oder er nicht schon längst verstorben ist. Meine Auftraggeber wurden zusehends frustrierter, so dass ich schließlich des Nachts mit Mr. Arthur eines der Zelte durchsucht habe, um dort vielleicht einen Anhaltspunkt zu finden.

Und dort fanden wir ein Schriftstück, das sich an die Gläubigen wendet. Da war vom „transzendenten Weltfrieden“ die Rede und wie sich die Gläubigen darauf vorbereiten sollten. Es gibt demnach fünf Übungen, die immer wiederholt werden müssen, um sich von allem „Fleischlichen“ zu befreien. Es klang allerdings nicht sehr friedlich, da alle, die sich nicht darauf vorbereiteten, mit dem Fleischlichen untergehen sollten.

Vermutlich ist das auch nur wieder so eine Gruppe gelangweilter reicher Weißer, die nicht wissen, was sie Sinnvolles mit ihrem Leben anfangen sollen und sich daher in derlei Sekten flüchten. Aber nur für den Fall, dass dem nicht so ist, wollte ich Sie von unseren Erlebnissen in Kenntnis setzen.

Namastē
Jeevan Singh

P.S. Ich sende Ihnen eine Kopie des Pamphlets anbei, welches wir gefunden haben. Vielleicht können Sie mehr damit anfangen.

Geschrieben von Molybdaen.

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