Ultima Ratio Teil 2

Nach dem ersten Spielbericht zu Ultima Ratio aus Sicht von Luisa folgt nun quasi der posthume Dienstbericht von Manfred.

Im Grunde genommen endete mein Leben genauso, wie ich es mir immer gewünscht hatte: Zur Rettung der Menschheit und zum Ruhme meines Vaterlandes. Auch wenn niemand jemals Kenntnis davon bekommen wird, wie heldenhaft ich dem Reich diente.

Mein Name ist Oberstleutnant Hermann, Oberstleutnant im Dienste der Wehrmacht. Besser gesagt: Ich war im Dienste. Nun bin ich ja tot. Im Jahr 1937 waren finstere Kräfte im Deutschen Reich am Werk. Ich war Teil einer Verschwörung zur Beseitigung einer der Drahtzieher der neuen Diktatur. Nach einem Attentat wollte ich mich absetzen. Die Häscher waren mir dicht auf den Fersen. In Frankfurt traf ich einen alten Bekannten namens Joseph Goldblum. Dann hatte ich eine Vision von Feuer und brennendem Fleisch, das sich von Knochen löst. Ich erwachte neben zwei anderen Personen, einer Frau und einem Mann. Zwischen meinem letzten Gespräch zwischen Joseph und dem Erwachen konnte ich mich an nichts mehr erinnern. Ich kannte beide nicht. Die Frau stellte sich kurzangebunden als Luise vor, der Mann als Werner. Diese jungen Leute heute haben auch keinen Anstand und Respekt mehr. Ich stellte mich standesgemäß vor und blieb bei einem respektvollem Sie. Werner hatte ein Werkzeugtasche oder so etwas dabei, Luise eine Handtasche.

Wir wurden sogleich von einem eigentümlichen Gefühl gepackt, dass uns nicht viel Zeit bliebe. Wir standen auf einem schmalen Steg, der von mehreren Streben gehalten wurde. Einige Meter unter uns verlief ein weiterer Steg. Der gesamte Bereich war von einer Art Tuch umhüllt. Am einen Ende des Steges befand sich eine Tür, am anderen Ende eine Art Plattform, die im Dämmerlicht lag. Auf dieser Plattform befand sich wohl eine große Kiste. Mehr konnten wir aber von unserem gegenwärtigen Standpunkt aus nicht sehen. Elektrische Lampen glommen schwach. Werner erspähte sogleich die Ursache für unser ungutes Gefühl: Über uns war an einer Strebe eine Art improvisierte Bombe platziert und eine Uhr tickte.

Luise und Werner untersuchten die Tür und das, was dahinter lag. Ich überprüfte meine Pistole und wurde umgehend von einer weiteren Vision erfasst: Ich stehe auf dem Steg. Werner und Luise sind nicht da. Die Tür öffnet sich und zwei bewaffnete Männer stürmen hindurch. Mit der Reaktion eines erfahrenen Soldaten richte ich meine Pistole auf die Eindringlinge und gebe drei Schüsse ab. Beide Männer fallen getroffen herab. Dann verblasste die Vision und ich stand wieder auf dem Steg und Luise und Werner kamen auf mich zu. Ich berichtete kurz von meinen Halluzinationen. Niemand sonst hatte etwas gesehen. Wir blickten auf den Steg unter uns. Dort lagen zwei Männer niedergestreckt, die denen, die ich in meinen Gedanken erschossen hatte, verblüffend ähnlich sahen. Mir war mulmig zu Mute. Irgendetwas rumorte und der Steg wackelte etwas. Wir vermuteten, dass wir uns auf einem Luftschiff befanden. Niemand konnte sich aber erklären, wie wir dort hingekommen sein sollten, denn niemand konnte sich daran entsinnen, ein Luftschiff betreten zu haben.

Werner war nunmehr von dem festen Entschluss erfasst, die Bombe entschärfen zu müssen. Auch ich hielt das für eine gute Idee. Eine Bombe war eine Gefahr für uns und für alle anderen, die sich vielleicht noch in der Nähe aufhielten. Luise wandte sich der Plattform und der großen Kiste darauf zu. Zu diesem Zeitpunkt machte sich niemand Gedanken darüber, wieso dort eine Bombe deponiert war und dass es dafür vielleicht einen guten Grund gab.

Ich glaube, wir wurden jetzt das erste Mal von einem Mitglied der Besatzung dieses Gefährtes gestört. Oder war es doch später? Die Erinnerungen verschwimmen. Jedenfalls machte Werner ihn auf die Bombe aufmerksam, woraufhin der Mann ängstlich von Dannen eilte.

Ich half Werner beim Erklimmen der Verstrebungen. Trotz meiner Hilfe konnte sich, verzeihen sie verehrter Leser diesen Ausdruck, dieser Trottel nicht festhalten und fiel hinab. Er schlug einen Riss in das Tuch unter dem unteren Steg, konnte sich aber noch festhalten. Darunter befand sich der freie Himmel. Unsere Vermutung, dass wir uns in einem Luftschiff befanden, war nun Gewissheit geworden. Ich wollte gerade nach unten stürmen, um Werner zu helfen, da machte auch Luise sich bemerkbar. Zwischenzeitlich hatte Sie wohl die Kiste untersucht und umrundet und begonnen, irgendetwas auf die Kiste zu malen. Ich konnte nicht erkennen, dass Sie in Schwierigkeiten steckte oder sonst Hilfe benötigte. Ich wandte mich also der Tür zu und begann nach unten zu laufen. Ich musste einer weiteren Augentäuschung erlegen sein. Oder erbebte die Kiste wirklich? Und schwankte Luise?

Ich half Werner auf den unteren Steg hinauf. Bis auf den Schreck war er unbeschadet. Der Schreck hielt Werner aber nicht davon ab, sofort wieder nach oben zu rennen.

Von oben hörten wir laute Geräusche. Anscheinend hatte ich mir doch nicht alles eingebildet. Die Kiste bebte. Und das Beben wurde stärker. Ich nutze einen kurzen Moment, um die beiden Männer zu durchsuchen. Ich förderte ein beschriebenes Blatt Papier zu Tage, das einem der Männer aus der Jacke ragte. An den Handgelenken hatten die Männer eine eigentümliche Tätowierung in Form eines Totenschädels und eines Schwertes. Solch eine Tätowierung, Uniformen und Anzüge hatte ich noch nie gesehen. Andererseits: wer konnte schon wissen, welch absonderliche militärische oder zivile Einheiten die neuen Machthaber in Deutschland hervorbringen würden. Und sie mussten Deutsche sein, denn der Zettel war in deutscher Sprache beschrieben. Der Inhalt des kurzen Textes war trotz seiner Kürze beunruhigend. Anscheinend war eine Organisation damit betraut worden, ein „vieläugiges Ding“ an einen Ort zu verbringen, der als Feind des Reiches bezeichnet wurde. Um dieses Ding ruhig zu stellen, sollte ihm alle 24 Stunden ein Mensch als Opfer dargebracht werden, dem zuvor ein Trank eingeflößt worden war. Einen Trank hatten diese Männer allerdings nicht dabei.

Ich ging ebenfalls wieder auf den oberen Steg. Luise hatte sich mittlerweile etwas beruhigt und malte weiterhin irgendwelche Dinge auf die immer stärker bebende Kiste. Ich half Werner beim Aufstieg zur Bombe. Diesmal ging alles glatt und mit einem beherzten Kniff einer Zange durchtrennte Werner den richtigen Zünddraht. Die Bombe war entschärft.

Ab jetzt ging Vieles schnell durcheinander. Zettel. Ding. Bombe. Kiste. Für einen kurzen Moment war ich mir nicht sicher, ob das Entschärfen der Bombe wirklich eine gute Idee war. Waren wir möglicherweise nicht ganz unbeteiligt am Legen dieser Bombe? Was sollten wir hier? Waren wir vielleicht „Futter“ für dieses „Ding“?

Einer Eingebung folgend eilte ich Luise zur Hilfe. Die Kiste zeigte erste Risse. Am anderen Ende des Steges waren anscheinend 3 weitere Männer durch die Tür gekommen. Werner versuchte ein Gespräch zu beginnen. Im gleichen Augenblick zerbarst der obere Teil der Kiste. Irgendetwas dunkles Schleimiges hatte Luise am Arm gepackt. Ich zog Sie von der Kiste weg. Das ging leichter als erwartet. Dann sah ich den grausigen Grund dafür. Der Arm war bei diesem Wesen verblieben und wurde nunmehr verschlungen. Luise schrie nicht. Der Schock war zu groß. Mit meinem Gürtel band ich geistesgegenwärtig den Armstumpf ab. Ich zog Luise von den Resten der Kiste weg. Dann hörte ich einen Schuss. Ich drehte mich um. Werner war zu Boden gegangen und bewegte sich nicht mehr. Die ersten zwei Männer steckten in eigentümlichen Anzügen und waren mit Knüppeln bewaffnet. Der dritte Mann in Uniform hingegen feuerte anscheinend mit einer Pistole. Nun wurde es heikel. Auf dem Steg vor uns drei Bewaffnete und hinter uns dieses unförmig grausige und stinkende Monstrum. Ich bewegte mich zum Steg, um meine Gegner zu erwarten. Der erste Mann schlug vorbei. Ich nutze seinen eigenen Schwung um ihn geradewegs in Richtung Kiste zu befördern. Ein kurzer Schrei und schon war der zweite Mann da. Auch er schlug daneben. Der Leser vermutet es schon. Auch er wurde durch den eigenen Schwung direkt in die, nun ja, Arme sind es ja nicht, schleimigen Fänge dieses Wesens geschleudert. Ein Ruck und dieser Mann verwandelte sich in eine Blutfontäne. Nun wurde es eng. Mit gezogener Pistole bewegten der dritte Mann und ich uns aufeinander zu. Ich verfehlte, ging aber durch einen leichten Treffer in mein Bein zu Boden. Ich dachte, der Mann würde mir den Rest geben. Werner war anscheinend doch nicht so schwer getroffen. Plötzlich konnte er hinter dem Mann in Richtung Tür laufen, anstatt mir zu helfen, dieser feige Hund. Er kam nicht weit. Der Mann vor mir ließ die Waffe fallen und öffnete entsetzt die Augen. Ich hatte so eine Ahnung. Luise und diese Ding waren mir wohl gefolgt und dem Geräusch zufolge hatte das Ding Luise gerade eingeholt.

Nun ja. Dann blieb nur noch eins. Ich drehte mich auf den Rücken. Der erste Schuss traf direkt die Bombe und Feuer umfing mich und brannte mir das Fleisch von den Knochen.

Geschrieben von Legion69

3 Gedanken zu „Ultima Ratio Teil 2“

  1. Das ist wirklich großartig, vielen Dank für die toll geschriebenen Spielberichte. Sehr schöne Idee, die aus der Sicht der Spieler bzw. gar der Charaktere zu verfassen! Freut mich sehr, dass das Abenteuer bei Euch so gut funktioniert hat. Und abermals kommen dadurch ein paar weitere gute Ideen dazu. Die Steampunk Airship-Musik will ich wirklich auch mal gerne einbauen. Und die Bombe aus einer leeren Küchenrolle mit Gafferband zu basteln, ist simpel wie genial! Ich denke das Abenteuer erfordert vom SL auf jeden Fall eine gute Vorbereitung und ein gewisses Gespühr, wann es mit welchem Eregnis weiter geht, damit die Charaktere bzw. die Spieler kaum Zeit zum Nachdenken haben. Genauso ist es gedacht 🙂

  2. Danke für das Abenteuer! Es hat uns allen Vieren richtig Spaß gemacht. Leider hatten wir so eine Intelligenzbestie unter uns Spielern, die sofort richtig schlussfolgerte, dass wir im Inneren eines Zeppelins sind. Den Aha-Moment haette ich noch gerne ausgekostet.

    Unser Spielleiter musste übrigens im Vorfeld erst überzeugt werden, ein wenig mehr als gar keine Props zu nutzen 😛

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