Crimson Letters #03 Teil 2

Im Folgenden ein weiterer Beitrag zu den Vorgängen rund um die verschwundenen Dokumente an der Miskatonic Universität aus dem Tagebuch von Martha Greenwood, Professorin für Archäologie.

Akt III: Showdown am Sportplatz

Leiters und Courts Büro

Wir kehren noch einmal zu Leiters Büro zurück, welches aber bereits vom Reinigungsdienst gesäubert wurde. Lediglich die Privatadresse von Cecil Hunter können wir noch in Erfahrung bringen.

Da das Gebäude bereits nahezu menschenleer ist, nutzen wir Mitzis verborgene Talente, um uns Zugang zu Emilia Courts Büro zu verschaffen. Dort sind wir dann erfolgreicher. Mitzi entdeckt alte Tagebücher, deren Einträge noch vor dem 16. Jhd und somit auch vor den Hexenprozessen beginnen und die in einer Art Code verfasst wurden. Ich finde ein altes okkultes Buch, welches sich mit bestimmten magischen Salzen und Ritualen befasst, mit deren Hilfe der Alterungsprozess aufgehalten werden kann. Wie es scheint, hat Flinders doch nicht ganz die Unwahrheit gesagt, was Miss Court angeht.

Noch unheimlicher ist ein Foto auf dem Schreibtisch, welches einen Schäferhund zeigt. Als wir das Bild näher untersuchen, finden wir die Datumsangabe „1887“. Miss Court sieht nicht älter aus als 30 Jahre, was hat das zu bedeuten?

Sowohl das Salzbuch als auch die sieben Tagebücher stecke ich ein, William nimmt die Fotografie mit.

Henry hat nicht mitbekommen, dass wir in das Nachbarbüro gegangen sind und irrt allein im Gebäude umher. Er berichtet uns später, dass er in Leiters Büro eine fremde Präsenz gespürt habe und dann schnell nach draußen geangen sei. Dort prasselte ein überaus heftiger Hagelschauer auf ihn ein, der aber ebenso schnell wieder vorüber war.

Wir kehren alle nach unten zurück, wo uns Flinders begegnet. Er will sich um 21 Uhr mit uns treffen, angeblich weil er weitere Informationen für uns hat. Ich glaube ihm kein Wort, der Junge lügt wie gedruckt! Auch Roses Misstrauen ist so stark, dass sie ihm heimlich folgt, als er weiter nach oben geht. Doch scheinbar hat Flinders sie bemerkt, wir hören einen Schrei und einen Aufprall. Dieser Wahnsinnige hat sie die Treppe runtergestoßen!

Zum Glück hat sich Rose außer einer Prellung am Arm nichts getan. William und Henry suchen Flinders, doch der ist verschwunden.

Wir gehen noch einmal in Leiters Büro zurück und suchen gezielt nach magischen Zeichen und dergleichen. Wenn diese unheimliche Präsenz hier immer noch so stark ist, muss doch etwas zu finden sein! Aber außer dem Brandfleck hinter dem Spiegel, den wir bereits beim ersten Mal gefunden haben, können wir nichts Verdächtiges sehen. Dafür hören wir Schritte, Miss Court ist auf dem Weg in ihr Büro!

Ich verschließe die Tür und wir versuchen vergeblich zu lauschen. William ist ungeduldig und will sie an Ort und Stelle zur Rede stellen. Nur mit Mühe kann Henry ihn davon abbringen, schließlich wissen wir noch nicht genau, was das alles zu bedeuten hat.

Miss Court entdeckt uns glücklicherweise nicht, aber wir bemerken, dass sie einen Schäferhund bei sich hat. Etwa der von der alten Fotografie? Die Sache scheint klar: Court ist eine Hexe, die mit okkulten Praktiken ihr Leben und das ihres Hundes verlängern kann. Aber steckt sie auch hinter dem Diebstahl der Hexenprozessdokumente?

Wir trennen uns, ich bringe das Salzbuch und die Tagebücher in meine Wohnung und verstecke sie.

Abendplanung

Als wir uns wieder am Campus treffen, berichtet Rose aufgeregt, dass ihr Haare ausgerissen wurden – und tatsächlich fehlt ihr am Hinterkopf ein recht großes Büschel. Das muss beim Sturz von der Treppe geschehen sein. Wir besprechen unser weiteres Vorgehen und entscheiden uns, zwei Gruppen zu bilden:

William, Rose und ich werden uns mit Flinders am Sportplatz treffen. Es erscheint uns ratsam, Will nicht allein gehen zu lassen.

Mitzi und Henry werden derweil das Zimmer von Flinders untersuchen. Eine günstigere Gelegenheit werden wir wohl so schnell nicht mehr bekommen.

Einbruch in Flinders‘ Zimmer

Mitzi und Henry haben zunächst doppelt Glück, zufällig findet auch an diesem Abend eine Verbindungsparty statt, die meisten Studenten halten sich vor dem Wohnheim auf, es gibt laute Musik und die beiden fallen nicht weiter auf.

Sie können unbemerkt in Flinders‘ Zimmer gelangen, dort aber finden sie Ungeheuerliches vor. Henry berichtet uns später von satanistischen Zeichen, Tieropfern, Blut und wirrem Geschreibe. Flinders scheint den Raum in eine Art stümperhaften Opfertempel verwandelt zu haben. Zu allem Überfluss entdecken sie auch das Haarbüschel von Rose. Flinders ist in der Tat schwer gestört, aber verfügt er auch über magische Fähigkeiten oder ist er nur ein Dilettant? Henry geht auf Nummer sicher und macht sich an die Beseitigung der okkulten Zeichnungen.

Just in dem Moment kehrt Flinders zurück. Mitzi ist noch völlig geschockt von der monströsen Umgebung und schießt ihn nieder, Flinders ist sofort tot.

Henry reagiert geistesgegenwärtig und greift sich das in Leder geschlagene Paket, das Flinders noch festhält. Ein kurzer Blick verrät ihm, dass es sich um die gesuchten Hexenprozessdokumente handelt. Für eine genauere Untersuchung bleibt aber keine Zeit, Henry flüchtet mit der aufgelösten Mitzi.

Sportplatz und Geiselnahme

Wir machen uns derweil zum Sportplatz auf, zu unserer Überraschung ist das Flutlicht angeschaltet. An der Tribüne wartet eine Gestalt, William geht auf sie zu, Rose und ich warten im Verborgenen.

Zu unserer Überraschung wartet dort aber nicht Flinders, sondern eine äußerst zornige Emilia Court mit ihrem Hund. Flinders hat uns gegeneinander ausgespielt und ihr verraten, dass wir sie bestohlen haben! Sie bringt William mit Magie unter ihren Einfluss, er gibt ihr willenlos die Fotografie und seine Waffe, und nimmt ihn als Geisel.

Wir bekommen drei Stunden Zeit, um ihr das Salzbuch zu bringen. Rose rennt zum Wohnheim, um den anderen Bescheid zu sagen. Ich zögere, Miss Court das Buch zu bringen, aber so faszinierend der Inhalt auch sein mag, er erscheint mir nicht wert, Williams Leben dafür einzutauschen. Ich laufe also heim und hole schweren Herzens das Buch.

Finale am Sportplatz

Rose findet am Wohnheim Henry und Mitzi, die gerade aus Flinders Zimmer rennen. Wir treffen uns alle wieder am Sportplatz und beratschlagen, was zu tun ist.

Wir vermuten, dass Flinders die Dokumente aus Emilia Courts Wohnung gestohlen hat, während er sie mit uns beschäftigt wähnte. Dabei hatte er wohl nicht damit gerechnet, dass wir uns aufteilen könnten, sondern darauf spekuliert, dass wir alle zum Sportplatz gehen würden. Während ich davon überzeugt bin, dass Court uns vernichtet, sobald sie hat, was sie will, verteidigt Mitzi sie. Schließlich hätten wir sie bestohlen und sie sei zu Recht wütend. Mitzi meint, Court würde uns nichts tun. Wir haben ohnehin keine Wahl.

Trotz der knappen Zeit kann ich die Dokumente kurz untersuchen. Sie enthalten wie erwartet Protokolle der Vernehmungen und Todesurteile, besonders hervorgehoben werden ein Caleb Hobbhouse sowie seine Korrespondenz mit wichtigen geistlichen und politischen Personen. Aber die Texte sind zweitrangig. Zwischen den Protokollen finden sich immer wieder seltsame geometrische Formen, die eine starke okkulte Macht verströmen. Es ist wie eine Offenbarung …

ICH MUSS DIESE ZEICHNUNGEN HABEN!

Große Insekten erscheinen auf meinem Arm und Würmer kriechen aus den Blättern hervor. Aber all das ist nur Einbildung, ein weiterer Beweis für die Macht, die diesen Seiten innewohnt. Das wird mich nicht abhalten! Ich stecke die Dokumente in meine Tasche, Mitzi protestiert, aber auch sie wird mich nicht aufhalten.

Court und ihr Salzbuch sind völlig nebensächlich und unwichtig. Wen interessiert dieses lächerliche Büchlein, soll die Hexe es ruhig bekommen, aber die Zeichnungen gebe ich nicht heraus!

Ich gehe mit dem Buch auf Miss Court zu, Rose und Mitzi folgen, während Henry in Schussweite wartet. Aber als ich das Buch ablege und ihr Hund es holen will, fängt er plötzlich zu winseln und zu knurren an. Er spürt die Zeichnungen!

Dann kräuselt sich Rauch aus meiner Tasche empor, sie scheint zu brennen und ich lege sie ab. Court stößt William in unsere Richtung und ruft uns zu, dass wir laufen sollen. „Die Bestie wird erwachen!“ schreit sie, was immer das auch bedeuten mag. Der Rauch formt eine gigantische Gestalt mit riesigem Maul – vermutlich das Wesen, das Leiter getötet und Hunter in den Wahnsinn getrieben hat!

William trampelt wie von Sinnen auf der Tasche herum, um das Feuer zu löschen, aber Mitzi, Rose und ich können ihn wegziehen. Dann laufen wir. Als ich mich noch einmal umblicke, sehe ich die zierliche Gestalt von Miss Court und ihren Hund, die sich dem Schemen entgegenstellen. Wir rennen weiter, plötzlich gibt es einen Knall und einen hellen Lichtblitz. Kleine Lichter senken sich auf Büsche und Sträucher neben uns nieder, dann kehrt Ruhe ein.

Nachtrag

Am nächsten Tag finden wir auf dem Platz nur noch einen verbrannten Fleck vor, von dem Monster und Miss Court fehlt jede Spur. Sie kehrt auch nicht mehr in ihr Büro zurück, und was mit ihr geschehen ist, werden wir nie erfahren. Über welche Macht auch immer sie verfügte, Mitzi hatte wohl recht: Emilia Court war nicht grundsätzlich böse, schließlich hat sie uns die Flucht ermöglicht.

Flinders‘ Tod wird als Selbstmord ausgelegt, sein Zimmer und seine satanistische Gesinnung genügen als Begründung dafür. Zwar war der Junge vermutlich geistig verwirrt und durchaus von böser Natur, aber mit den tödlichen Vorkommnissen in Leiters Büro hat er nichts zu tun gehabt. Mitzi macht sich Vorwürfe, weil sie ihn erschossen hat, aber es war einfach eine tragische Verkettung unglücklicher Umstände. Und immerhin hat Flinders Rose die Treppe runtergestoßen.

Was die Dokumente angeht, so werden die Nachforschungen von Dekan Fallon eingestellt. Leider gestattet man mir nicht, mich mit den bisherigen Forschungsergebnissen von Leiter und Court zu befassen. Nach all den tragischen Ereignissen will der Dekan nur noch, dass sich die Lage wieder normalisiert.

Es ist ein Jammer, dass ich die Zeichnungen nicht genauer studieren konnte, aber mir bleiben die Tagebücher aus Courts Büro. Ich werde mich sobald wie möglich mit meinem Freund Vitus beraten, wie wir den Code entschlüsseln können.


Geschrieben von Molybdaen.

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