Amidst the Ancient Trees Teil 2

Ein weiterer Spielbericht zu Amidst the Ancient Trees ist eingetroffen. Diesmal aus der Sicht des “Handelsreisenden”. Es folgt das Protokoll über die gerichtspsychologische Erstuntersuchung des Roy Sawyer durch Dr. Laura Delacroix vom 06.10.1925.

Am 05.10.1925 wurde ein Mann durch die Polizei in Montreal festgenommen. Er steht unter dem dringenden Tatverdacht einen Passanten und einen Polizisten erschossen sowie zwei weitere Passanten schwer verletzt zu haben. Die Polizei vermutet, dass der Pass, der den Mann als kanadischen Staatsbürger namens Roy Sawyer ausweist, gefälscht ist. Der Polizei ist es aber noch nicht gelungen, die wahre Identität des Mannes festzustellen. Mr. Sawyer soll bei der Festnahme einen sehr erregten und verwirrten Eindruck gemacht haben und Dinge gebrüllt haben wie: “Seht ihr es denn nicht! Sie gehören dazu! Ich habe sie nicht getötet! Sie waren doch schon tot!”. Er trug eine Pistole Automatik Kaliber 45 bei sich, die vermutlich auch die Tatwaffe war, sowie einen verdreckten Koffer, den er vehement nicht loslassen wollte. Neben gebrauchter Schmutzwäsche, einer Wasserflasche und mehr Munition Kaliber 45 enthielt der Koffer einen kleinen Beutel mit verschiedenen Schmuckstücken.

Es folgt das Protokoll über die erste Unterredung zwischen Dr. Laura Delacroix (LD) und Roy Sawyer (RS):

LD: Guten Tag Mr. Sawyer, ich bin Dr. Laura Delacroix, Gerichtspsychiaterin. Ich soll Sie im Auftrag der Staatsanwaltschaft Montreal psychologisch begutachten.

RS: Was wollen sie? Was soll ich hier? Ich habe keinen Klapsen Doc bestellt! Bevor ich IRGENDWAS sage, will ich erst ihren Bauch sehen! Na los doch!

LD: Mr. Sawyer… Roy… ich darf Sie doch Roy nennen oder? Wenn ich ihnen meinen Bauch zeige, reden Sie dann mit mir?

RS: Das sehen wir dann… ja… so ist es gut. Sie wurden also noch nicht… bekommen… nee… gekriegt.

LD: Roy, vielleicht erzählen Sie mir doch einfach, wie Sie darauf kommen, dass einige Menschen Ihrer Meinung nach schon tot sind und irgendetwas am Bauch haben? Fangen Sie doch einfach damit an, wohin Sie verreist waren.

RS: Hmm… gut… ich war auf… ähm… wie sagt man… Geschäftsreise. In den Staaten.

LD: In welcher Branche sind Sie tätig?

RS: Ich… importiere… Schmuck von der New Yorker Schmuckbörse nach Kanada.

LD: Eine Schmuckbörse in New York? Davon habe ich noch nie gehört.

RS: Naja… Edelsteinhändler und so etwas eben. Ich weiß nicht wie man das sagt.

LD: Sie waren also auf Geschäftsreise. Und dann?

RS: Auf der Rückreise machte ich einen kleinen Zwischenstopp in Bennington. Dort gab es große Aufregung. Die Tochter von irgendsoeinemwichtigen… ähm… Stadttypen… hmm… Strong hieß er glaub ich. Also die Tochter wurde entführt und alle wollten sie finden. Die Harrisbande steckte dahinter und versteckte sich in den Wäldern um den Green Mountain. So hieß der Berg glaub ich.

Verbrecher haben eine junge Frau entführt! Da musste ich natürlich helfen.

LD: Das kann ich natürlich gut verstehen. Ja, zünden Sie sich ruhig eine Zigarette an.

RS: Die Suche ging auch sofort los. Es wurden… na sag schon… Gruppen gebildet, ab in den Wald, und los geht es. Ich war natürlich in der ersten Gruppe. Bei mir war so eine fesche Braut. Irgendwas mit Mc… McClutch oder so. Genau. McCutchen. Zeitungsschreiberin. Tritt für die Umwelt ein und so. Scharf und genauso nervig. Oh… Ich habe STUDIERT!!! Ja Kleine… das hilft Dir aber überhaupt nicht in den WÄLDERN!!!

LD: Ganz ruhig Roy. Wer war da noch?

RS: So ein ehemaliger FBI –Fuzzie. Hollowman. Hehehehehe. Guter Witz.

LD: Was ist daran so witzig?

RS: Er hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Erst isser großspurig aufgetreten. Wollte das Ruder an sich reißen, obwohl er keine Ahnung hat. Immer ganz wichtig Notizen gemacht und so. Und dann habe ich gemerkt, warum er sich alles notieren musste. Der Alte war total… wie sagt man… total senil. Hat Alles spätestens am nächsten Tag vergessen. Hohl halt.

Dann war da noch der junge Einheimische. Joseph hieß er. Prima Junge. Etwas sehr… na… mit Gott und so. Aber geradlinig und fähig. Und groß.

LD: Sie alle haben sich im Wald also auf die Suche nach Ms. Strong gemacht?

RS: Genau. Mittags ging es los. Wir hatten uns etwas zu trinken mitgenommen und los ging es. Ich glaube, wir alle dachten, gegen Abend sind wir zurück. Ha. Mann hatten wir uns getäuscht. Gegen Abend zurück. Nicht in diesen WÄLDERN. Am Tatort ging es los.

LD: Moment mal. Von welchem Tatort sprechen Sie.

RS: Am Abend vorher gabs da ne Schießerei zwischen der Harrisbande und der Polizei. Sah übel aus. Überall Löcher in den Bäumen und Blutlachen. Wir sind dann einer Blutspur in den Waldgefolgt. Immer so nach Norden. Das konnte der Joseph gut machen. Also den Weg finden und so.

Wir waren lange unterwegs. Haben so einen anderen Hobbyjäger mit seinem Sohn getroffen. Der Sohn war ganz schön ängstlich. Schlechte Träume und so. Da hab ich noch drüber gelächelt. Mann. Bis ich selber geträumt hab.

LD: Immer der Reihe nach Roy. Sie hatten also den anderen Jäger getroffen. Stecken Sie sich ruhig noch eine an.

RS: Der Mann erzählte uns, dass er sein einem oder zwei Tagen seinen Kumpel mit dessen Sohn vermisste. Zuerst dachte ich: Noch so ein Trottel, der sich verlaufen hat. Aber..

LD: Der Reihe nach.

RS: Gut. Also der Kumpel mit Sohn wurde auch vermisst. Und dann waren da wohl noch so Studenten unterwegs. Hier… wie heißt das… genau… Künstler. Wir versprechen Ausschau zu halten und bekommen etwas zu essen. Da hatten wir ja nicht dran gedacht.

Dann wurde es dunkel. Kurz noch Feuer gemacht. Ich hab ja immer Kippen und Streichhölzer dabei. Also ganz einfach. Ich hatte mich schlafen gelegt. Die McCutchen hatte sich in den Schlaf gejammert in ihrem Wald-Kostümchen. “Ich hab Hunger.” So etwas halt. Der Hollowman war auch nicht so gut drauf. Aber da ging das noch. Nachts war ja nix.

Am nächsten Morgen ging es also weiter.

LD: Sie hatten also nichts dabei. Keine Zelte, keine Decken, kein Essen?

RS: Nee. Wozu Zelte und Decken. War doch Sommer und warm? Naja, Essen hatten wir ja dann von diesem Typen. Am nächsten Morgen Fragte Hollowman, was los sei. Wir anderen guckten blöde. Wir sagten ihm: “Guck in Dein Buch.” Da war allen klar: Der ist senil.

Wir marschierten weiter. Immer der Blutspur so nem Trampelpfad nach. Dann fanden wir ein schmutziges und blutiges Messer und einen anderen Trampelpfad, der von links nach rechts führte. Noch ne Blutspur. Da fanden wir schnell ne Leiche. Recht jung. Einige Wunden. Stiche und Schnitte. Dachten uns, das ist ein Student. Wegen des Alters und so. Hatte sonst nix dabei.

Dann ging ne Debatte los was wir machen sollen. Die McCutchen und der FBI Fuzzi wollten unbedingt die Studenten finden. War klar. Die beiden Ober-Trapper wollten ne Schnitzeljagd im Wald. Der Typ glaubte, er müsse alle… na sach schnell… alle Ermittlungen gleichzeitig machen. Wenn mehrere Leute Häuptling sein wollen, hält man sich am besten zurück und ignoriert sie. Aber Joseph hatte natürlich den Durchblick. Wir mussten erstmal der Harrisbande mit der Strong Tochter folgen. Deswegen waren wir ja im WALD. Ich brauch neue Zigaretten.

LD: Jemand wird Ihnen neue bringen.

RS: Joseph kannte sich am besten aus und deshalb bin ich natürlich ihm nach. Die beiden anderen sind der anderen Spur mal kurz gefolgt. Waren aber schnell wieder zurück. Klar.

Wir also weiter. Bis wir an einen Weg kamen. So ein Waldweg eben. Da hörten wir Motoren. Um die Ecke kam so ein Lastwagen Hinten mit Plane. Der hielt an. Der Fahrer war irgendwie komisch. Redete langsam. Da ham sie irgendwo am Ende vom Weg im Boden nach was gegraben. War auch ne Strong Baustelle. Die McCutchen wollte ihre Nase unbedingt in den Lastwagen stecken. Klar. Das fand der Fahrer nicht gut. Ich würd so was auch nicht gut finden. Immer diese neugierigen Schreiberlinge. Ob wir mitfahren können, hat sie gefragt. Der Typ hat natürlich nein gesagt. Wie sollte das auch gehen? Vorne war nicht für 5 Leute Platz und wenn hinten geladen ist? Wo sollten wir hin. Joseph is noch kurz hinterhergerannt. Aber wir anderen kamen natürlich nicht hinterher. Da hatte auch Joseph nicht mehr versucht hinterher zu kommen.

Naja. Dann gings weiter. Immer weiter. Dann die nächste Nacht. Mann hatte ich schlecht geträumt. Wenn ich das erzähle, glauben sie ich spinne. Ach was solls. Das glauben sie ja sowieso. Ah. Endlich neue Kippen.

Ich träum also, ich steh an so nem schmutzigen See. Dann kommen da plötzlich so komische Stäbe raus. Wie Metall. Aber sie haben sich bewegt. Und dann. Dann hat mich einer direkt in die Brust gestochen. Da wachte ich auf. Die anderem ham auch schlecht geträumt. Aber was anderes. Tote, die durch den Wald stapfen und so. Da dachten wir noch: Was für ein Unsinn. Wenn wir da gewusst hätten. Ich glaub, an diesem Morgen hatten wir das blaue Leuchten zum ersten Mal gesehen. Irgendwo im Wald.

LD: Ein Metallstab, der Sie in die Brust stach. Hm…sehr furchteinflößend. Und ein blaues Leuchten?

RS: Allerdings. Ein blaues Leuchten im Wald. Aber es wird noch bunter. Wir gehen weiter und BAMM. Ein Schuss. Wir alle in Deckung. Wir vermuten, wo der Schütze is. Joseph behält als Erster den klaren Kopf und macht sich sofort dorthin auf. Ich hinterher. Die McCutchen und der FBI Fuzzi sind etwas langsam. An nem Hügel hinter nem Baum finden wir Blut und Patronenhülsen. Ne Blutspur und Patronenhülsen rein in den Wald. Joseph hinterher und ich dahinter. Die beiden anderen trödeln. Joseph stellt den Mann. Kann ihn aber nicht überwältigen. Bevor der Mann Joseph erschießen kann hau ich ihn mit dem Koffer um.

LD: Moment mal. Sie hatten die ganze Zeit Ihren Koffer im Wald mit dabei?

RS: Klar. Wo hätte ich den sonst lassen sollen? Also der Typ am Boden und wir sehen, er ist schwer verletzt. Macht es nicht mehr lange. Hatte nen Stich in der Hüfte. Keiner kann ihm mehr helfen und er stirbt. Wir glaubten das muss einer von der Harrisbande sein. Sofort geht wieder ne Debatte los. Weiter den Weg zur Baustelle wegen Essen und so oder weiter in Richtung Fluchtweg. VIELLEICHT kommt man ja da bei der Hütte der Harrisbande raus. Ja klar. Mitten in den Wald. Joseph hatte wieder den Durchblick. Erstmal den sicheren Weg… hier… zur Baustelle.

Wir gingen also weiter den Weg. Das erste Mal fanden wir ne richtige Abzweigung. Wir folgen den Autospuren nach links. Rechts sah komisch aus. Irgendjemand hatte davon geträumt. War das Joseph? Keine Ahnung mehr. Die McCutchen und der FBI Fuzzi jammern schon ganz schön. Hunger und so.

Dann kommen an ein Tor. Da steht ein Typ. Mitten im Wald und völlig verlassen. Echt komisch. Der hat auch so komisch geredet. Das war der Weg zur Baustelle. Wollt uns nicht reinlassen. Unbefugte verboten und so. Was ein Unsinn. War das die McCutchen? Muss so gewesen sein. Hatte richtig gejammert wegen Hunger und so. Ich glaub, die hatte den Mann überredet, dass wir mit seinem… na sag schnell… mit seinem Vorarbeiter reden dürfen.

Er führte uns zu der Baustelle. Ein paar Hütten. Ein Loch mit so einer Art… na sag schon… Kran oder so. So ne Rutsche führt irgendwie in den Wald. Zu nem See glaub ich. Das stehn noch drei Arbeiter rum. Aber gearbeitet wurde nicht. Der Lastwagen steht auch rum. Der Vormann hat auch so komisch geredet. Meinte wir sollten in so ne Hütte gehen. Alle Fenster vernagelt. DAS kam mir echt komisch vor. Wir weigern uns also in die dunkle Hütte zu gehen. Also führte der Vormann uns nach hinten auf so ne Terrasse. Da sollten wir warten. Ich bin RICHITG misstrauisch. Gehe auf der anderen Seite der Hütte um die Hütte herum wieder nach vorne. Da kommen die drei Arbeiter auf mich zu. Schaufeln und Hacken in den Händen. Reagieren nicht auf Zuruf. SO NICHT. Ich schieße dreimal. Den Ersten verfehle ich. Die anderen Beiden gehen zu Boden. Der Erste trifft mich mit der Schaufel echt hart. Ja genau. Die blauen Flecken an der Seite stammen davon. Nee weiß nicht, ob was gebrochen ist. Aber BAMM auch Joseph hatte den Braten gerochen und fegte den Mann von den Beinen. Ich erlöse die drei.

LD: Erlösen?

RS: Ja erlösen. Festhalten: den dreien steckten so abgebrochene Metalldinger in der Brust und im Bauch. Kein Mensch kann so leben. Aber die marschierten herum. Das war nicht richtig. Ich bin dann los und hab den vierten Arbeiter gesucht. Am Lastwagen hab ich auch den erledigt.

LD: Was war derweil mit den anderen?

RS: Kann ich nicht genau sagen. Aber die ham wohl den Vormann überwältigt und irgendwie in der Hütte die Strongtochter und den anderen Jäger mit Sohn gefunden. Jedenfalls nimmt Joseph die Schlüssel für den Lastwagen vom letzten Arbeiter und macht sich daran den Lastwagen anzumachen. Der Jäger hilft mir den Lastwagen hinten… na sach schon… abzuladen. Ich merke. Yeah… das ist Sprengstoff. Ich schieb den Sprengstoff zu dem Loch. Das war so ein großer blauer Kristall unten. Komische Leute. Blaues Leuchten in der Nacht. Blauer Kristall. Für mich ne klare Sache. Der Kristall muss weg. Sprengstoff nach unten und Lunte angezündet. Diese McCutchen hatte da unten noch was gemacht. Weiß nicht was. Aber die war sowieso ganz schön hysterisch.

Wir Alle fahren los und hören die Explosion hinter uns. Irgendwas hörten wir noch. Das blaue Leuchten sahen wir ein letztes Mal. Dann Stille. Der Rückweg war ruhig. Den Harris ham wir zwar nicht gefunden. Aber der Strong war froh seine Tochter zurückzukriegen. Am nächsten Tag sollten Zeitungen kommen und so. Belobigung. Aber ich brauch das nicht. Ich bin schon am Abend los nach Montreal. Ich dachte, ich wäre in Sicherheit und alles wäre vorbei. Aber dann merkte ich: Es geht auch HIER los. Es ist nicht mehr in den WÄLDERN.

LD: Roy, es ist schon spät. Das könnten Sie mir dann morgen früh erzählen. Für heute machen wir Schluss.

RS: Das ist gut.

LD: Der Beamte bringt Sie in Ihre Zelle. Auf Wiedersehen.

RS: Adieu.

Nachtrag:

Am Abend nach unserem ersten Treffen gelang es Mr. Sawyer den Polizeibeamten, der ihn in seine Zelle bringen sollte, zu überwältigen. Mr. Sawyer zog die Polizeiuniform an und konnte unbehelligt das Polizeirevier verlassen. Seinen Koffer nahm er mit sich. Bislang fehlt jegliche Spur von ihm.


Geschrieben von Legion69.

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