Die Priester der Krähen #01

Die Geschehnisse rund um die steinerne Wand im Eis und ihren Weißen Spuren hat die Abenteurer weit in die unwirtlichen Gletscher von Grönland getrieben. Die nachfolgenden Aufzeichnungen entstammen dem Tagebuch von Clara von Bodenschwing und geben das Erlebte aus ihrer Sicht wieder.

Wir kehren nach unserem Abenteuer im Eis, einige mental leicht lädiert, zum Schiff zurück. Der Expeditionsleiter Ethelrod bittet uns, das Erlebte für uns zu behalten und nicht an die Öffentlichkeit zu bringen. Wir stimmen mehr oder weniger bereitwillig zu.

Nach einer ereignislosen Schifffahrt wieder in Hamburg angekommen, werden wir von einer Presseschar erwartet, die von uns aber keine weiteren Auskünfte erhält.

[SL: Es werden zahlreiche Fotos der Expeditionsteilnehmer geschossen. Bis auf Lissy und Heinrich, die möglichst unerkannt vom Schiff huschen, werden die übrigen als Teilnehmer der großen Miskatonic Universitäts-Expedition abgelichtet.]

Da wir durchaus urlaubsreif sind, kommt einige Zeit später das Angebot von Friedhelm Müller, Autor von Populärliteratur, Spezialgebiet Travemünder Geschichte(n), an mich gerade recht, in den neu gebauten Ferienwohnungen eines seiner Bekannten in Travenmünde kostenlos Urlaub zu machen – direkt am Strand! Außerdem habe er eine “interessante Geschichte” zu besprechen.

Bei der Anreise wähnt sich Heinrich beobachtet, während ich davon träume, meinen schriftstellerischen Ambitionen mit Friedhelm Müllers Unterstützung endlich nachgehen zu können.

[SL: Amanda macht in den Kneipen des Hafens die Erfahrung, dass über die Expedition und insbesondere den Tod eines Teilnehmers geredet wird.]

Der Bauunternehmer Gustav Menze erwartet uns am Bahnhof. Wie sich herausstellt, ist er eben jener Bekannte von Friedhelm, der die Ferienappartments gebaut hat und sich durch unseren Besuch gute Werbung erhofft. Zwei weitere Besuchergruppen haben ebenfalls eine Einladung erhalten: die Menaus, ein Pärchen aus Berlin im Partnerlook und die Familie Engler aus Köln.

Es stellt sich bei einem ersten Gespräch heraus, dass Menzer in Konkurrenz zu einem gewissen Salomon Görenke steht, der ebenfalls Bauunternehmer ist.

Wir beziehen unsere Appartements und erkunden die Gegend. Lissy und ich möchten Herrn Müller besuchen, treffen aber nur auf die Nachbarin, die uns bereitwillig Auskunft gibt, dass dieser vor ein paar Tagen “mit Papier wedelnd” aus dem Haus geeilt sei und seitdem nicht mehr gesehen wurde. Er nehme Samstags normalerweise immer um 14.00 Uhr an einem Gedenkgottesdienst teil (wie auch sie selbst, die sonst immer wachsame Nachbarin). Wir merken uns den Termin vor.

Als wir später alle beim Abendessen beisammensitzen, hören wir eine Alarmsirene und sehen draußen in der Dunkelheit Scheinwerfer eines Frachtschiffes mit Matrosen an Bord. Nach diesem kurzen Auftritt wird das Schiff von der Dunkelheit verschluckt. Am nächsten Morgen entdeckt eine unserer Miturlauberinnen eine Wasserleiche, die an den Strand gespült wurde. An der Bekleidung des bereits seit mehreren Tagen im Wasser befindlichen Leichnams ist der Rest eines Schulterschmucks zu erkennen, anscheinend war er ein Matrose der “Frederike”. Auf dem Rücken hat er Schnitte, die ein Muster ergeben, Holzsplitter stecken in seinem Körper, auf denen die Buchstaben “GK” stehen, die Initialen Görenkes Baufirma. Die Todesursache war einer oberflächlichen medizinischen Untersuchung zufolge ein Stich ins Herz.

Wir verabschieden uns von der Idee, einen erholsamen Urlaub genießen zu können und geben dem Wachtmeister Vogel bereitwillig die wenige Auskunft, die wir zu geben imstande sind.

[SL: Die Polizei nimmt alle Personalien auf.]

Wir finden im Zuge unserer Erkundigungen heraus, dass das Frachtschiff Frederike vor einigen Tagen von Pier 2 ausgelaufen ist und wiederum in einigen Tagen zurückerwartet wird. Einer der Matrosen des Kapitän Anders war vor dem Auslaufen spurlos verschwunden. Er hieß Karl Burgmeister.

Während Heinrich und Friedrich am Gottesdienst teilnehmen und sich über zweideutige Äußerungen über “richtige” Christen wundern, brechen wir Damen in das immer noch verlassene Haus Friedhelm Müllers ein (oder besser: öffnen geschickt die verschlossene Hintertür in Sorge um das Wohlergehen des Herren) und entdecken eine Notiz, die darauf schließen lässt, dass Graf von Konnenberg auf Seite 76 seines Werkes “Uralte Schrecken” etwas für Herrn Müller Bedeutsames verfasst hatte. Außerdem sind seltsame Symbole auf dem Papier zu sehen.

In der Bücherei Travemündes finden wir das besagte Werk nicht, dafür haben wir auf dem Weg zu dieser eine Art Vision. Wir treffen mitten auf dem Marktplatz einen kleinen Jungen mit Hoffnungslosigkeit im Blick, der auf etwas zeigt. Über uns ergießt sich Schwärze, etwas quietscht rhytmisch. Der Boden ist glatt; in der Luft taucht eines der Symbole auf, die wir schon auf Herrn Müllers Notiz gesehen haben. Wir hören ein Schnauben und bekommen jeweils einen Schlag auf den Hinterkopf. Das beendet die Vision.

Wieder zurück auf dem Marktplatz führt uns der Junge zu einer Seitengasse und sagt: “Zu gefährlich, schlaft um Mitternacht. Vertraut mir.” Zwei schwarz gewandete Männer mit dem bereits erwähnten Symbol auf dem Rücken verfolgen den Jungen, der in einer Tür aus Schwärze verschwindet. Wir versuchen vergeblich, die Beiden aufzuhalten, so dass sie den Jungen durch die Schwärze folgen. Die Schwärze löst sich kurz darauf auf.

Zurück in den Appartments stellt sich heraus, dass die Innenwände des Ferienappartements der Menaus mit Blut beschmiert wurden, die der anderen aber nicht. Daraufhin reisen alle Gäste ab – nur wir nicht.


Geschrieben von Pea.

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